Kapitel 8 - Engel und Apfelkuchen
By Mella Dumont
Als sie am nächsten Morgen aufwachte, wusste Jo nicht mehr, wie sie den Abend hinter sich gebracht hatte. Es war anstrengend gewesen. Anstrengend und erkenntnisreich. Gegen die Kopfschmerzen schluckte sie eine Tablette, die sie in einem kleinen Schränkchen im Vorratsraum fand, danach kochte sie sich einen starken Kaffee. Anschließend probierte sie die Regendusche im Bad aus. »Hach, ich liebe dieses Haus«, sagte sie, als sie ihre Haare frottierte und sich anzog.
Den Vormittag verbrachte Jo wieder mit akribischer Recherche. Warum mochten ihre Freundinnen Max nicht? Sie studierte jeden Chat, den sie je geführt hatte, als sei sie eine Kriminalbeamtin, die einen Mordfall aufklären wollte.
Unter ihren Facebook-Freunden befanden sich viele ehemalige Mitschüler aus einem Münchner Gymnasium sowie Kommilitonen aus ihrer Zeit an der Trierer Universität.
Sie freute sich wie ein kleines Kind, als sie herausfand, dass sie eine erfahrene Läuferin war, die letztes Jahr beim Nachtlauf in Luxemburg den Halbmarathon in einer respektablen Zeit geschafft hatte.
Gegen zwei Uhr beendete sie ihre Recherche und machte sich in der Küche ein Käsebrot. Sobald sie sich gestärkt hatte, würde sie die Wohnung der schlecht gelaunten Johanna auf Vordermann bringen.
In ihrem Vorratsraum fand Jo eine Schachtel Einweghandschuhe und diverse Reinigungsmittel. Sie packte alles in einen Einkaufskorb und fuhr los. Zuerst räumte sie sämtlichen Müll weg, was sie große Überwindung kostete, dann packte sie die restliche Kleidung in einen großen Rucksack, der auf dem Fußboden lag, brachte die Sachen zu ihrem Auto und nahm sich vor, zu Hause alles gründlich zu reinigen.
In dem Appartement schaltete sie Johannas Radio ein, räumte bei geöffnetem Fenster auf und schrubbte anschließend den Boden vor der kleinen Küchenzeile, wo der offen herumstehende Müllbeutel seinen flüssig gewordenen Inhalt auf den Kunststoffboden gesuppt hatte.
Währenddessen weichte das eingetrocknete Geschirr in der Spüle ein und der Badreiniger, den sie großzügig in der gesamten Nasszelle versprüht hatte, löste den Kalk auf.
»Johanna?« Eine Studentin streckte den Kopf zu der halboffen stehenden Tür herein.
»Sie ist im Krankenhaus«, sagte Jo.
»Oh!« Die junge Frau starrte sie an. »Was ist passiert?«
»Oberschenkelhalsbruch und Kopfverletzungen«, erklärte Jo. »Sie hatte einen Unfall. Aber es geht ihr schon besser.«
»Deshalb habe ich sie so lange nicht mehr gesehen.« Die junge Frau strich durch ihre hellbraunen Haare. »Hat es sehr schlimm ausgesehen?«, fragte sie mit Blick auf den feuchten Boden. »Johanna war in letzter Zeit nicht besonders gut drauf.«
»Es ging«, erwiderte Jo, die die Patientin nicht blamieren wollte. »Ich möchte ihr nur eine Freude machen.«
»Na dann …« Die Studentin blieb unschlüssig stehen. »Ich werde ihr schreiben und ihr gute Besserung wünschen.«
»Darüber freut sie sich bestimmt!«, versicherte Jo strahlend, obwohl sie anderer Meinung war.
Nach gut dreieinhalb Stunden blinkte und blitzte das Appartement und duftete angenehm nach Zitrone.
Da Jo sich schwach vor Hunger fühlte, ging sie zu einem Café, das erfreulicherweise nur ein paar Meter von dem Wohnheim entfernt lag. Doch ihre Vorfreude auf ein saftiges Stück Apfelkuchen wurde jäh enttäuscht. Es gab nicht mal ein matschiges Apfelteilchen in der Auslage. Also begnügte Jo sich mit einem Kirschplunder, den sie missmutig auf dem Weg zu ihrem Auto verspeiste.
Zu Hause duschte sie lange und ausgiebig, da sie das Gefühl hatte, dass der Schmutz der kleinen Wohnung an ihr klebte. Danach zog sie sich an und bereitete alles für ihren Besuch bei Johanna vor.
Da sie keinen Toilettenbeutel gefunden hatte und selbst mehrere besaß, verwendete sie einen von ihren, um Johannas Sachen einzupacken. Auch einen kuschelig weichen Bademantel spendierte sie der Krankenhausausstattung. Außerdem steuerte sie noch eine Flasche Shampoo, einen Nagelknipser, ein paar Kaugummis und Bonbons dazu. Als ihr Blick auf ihre Nagellacksammlung fiel, überlegte sie nur kurz und ergänzte eine neue Flasche in einem zarten Roséton sowie eine Feile und einen Nagellackentferner.
»Wie geht es dir heute?«, begrüßte sie die Patientin eine Stunde später und stellte die schwere Tasche ab.
»Hm«, murmelte Johanna unschlüssig.
»Na dann räume ich mal deine Sachen ein«, sagte Jo energisch und öffnete den Schrank. Sorgfältig hängte sie den Bademantel auf und sortierte Wäsche, Shirts, Socken und Jogginghosen (wovon Johanna eine Menge besaß) in die Fächer.
»Der Bademantel gehört mir nicht.«
»Eine freundliche Leihgabe«, erwiderte Jo und versuchte, sich nicht von der schlechten Laune der Patientin anstecken zu lassen. »Den Toilettenbeutel schenke ich dir, ich habe mehrere zu Hause gefunden.« Hoppla! Jetzt hatte sie sich verplappert. Ach was, beruhigte sie sich, viele Menschen kauften ständig Kleinkram ein und erinnerten sich später nicht mehr daran.
»Danke«, sagte Johanna müde. Der winzige Hinweis auf Jos Amnesie war an ihrem Horizont vorbeigeflogen.
Jo unterdrückte ein erleichtertes Stöhnen.
»Du bist wirklich sehr nett.« Johanna rang sich ein schwaches Lächeln ab.
»Das wäre dann erledigt«, sagte Jo mit künstlicher Fröhlichkeit. Energisch schloss sie den Schrank und trat ins Badezimmer, um die Toilettensachen auszupacken. Dann ging sie zum Bett der Patientin und stellte sich einen Stuhl hin.
»Heute kein Wasser?«, fragte Johanna und grinste.
»Nein danke«, erwiderte Jo und schüttelte sich. »Ich habe dein Appartement geputzt, das reicht vorläufig.«
Johanna verbarg ihr Gesicht hinter ihren ungepflegten Händen. »Wie peinlich!«, jammerte sie.
»Wir werden es niemandem erzählen«, versprach Jo. »Sobald deine Eltern hier auftauchen, kannst du ihnen problemlos den Schlüssel aushändigen.«
»Ich weiß auch nicht, warum ich keinen Elan mehr für diese Dinge aufgebracht habe«, sagte sie verlegen. »Normalerweise bin ich ein ordentlicher Mensch, aber irgendwann wurde mir alles zu viel. Eigentlich habe ich in den letzten beiden Monaten nur geschlafen und sinnlos im Internet gesurft.«
»Bist du nie zum Arzt gegangen?«, fragte Jo vorsichtig.
»Weswegen? Akute Überforderung? Studienfrust?«
Jo runzelte ihre Stirn. »Für mich klingt das eher nach einer Depression.«
»Bist du Arzt?«
»Nein, das weißt du doch.«
Johanna starrte mit trübem Blick aus dem Fenster. »Als ich im Winter so müde war, ging ich zu einem Hausarzt. Er meinte, dass im Frühling die Sonne wieder scheinen würde. Ach ja, er hat mir noch Eisentabletten verschrieben. Davon bekam ich Verstopfung und davon wiederum Hämorrhoiden. Ich habe noch nie beim Gang zur Toilette geblutet, stell dir das mal vor! Also bin ich noch mal zum Doc und erhielt eine Schachtel voll Zäpfchen. Als ich dieses Leiden wieder los war, beschloss ich, dass Ärzte mehr Probleme schaffen, als sie lösen.« Sie seufzte. »Sorry. Kein besonders appetitliches Thema, ich weiß.«
»An der Uni gibt es doch sicher eine Beratungsstelle, oder nicht?«, fragte Jo.
»Nur, wenn man den Elan hat, dort anzurufen und sich einen Termin geben zu lassen«, erwiderte Johanna. »Ich nahm es mir vor, aber wenn ich wieder keine frisch gewaschene Wäsche hatte, die ich hätte anziehen können, ließ ich es lieber bleiben.«
»Und hier im Krankenhaus? Haben sie dir einen Psychiater vorbeigeschickt?«
Johanna nickte. »Weil sie vermuten, dass ich absichtlich auf die Straße gesprungen bin. Dummerweise erinnere ich mich überhaupt nicht an den Unfall, nicht mal an den Tag davor. Trotzdem glaube ich nicht, dass ich genug Energie hatte, um mich freiwillig in den Verkehr zu werfen.«
»Wir werden sie alle verklagen«, wagte Jo einen Scherz. »Mit dem Hausarzt fangen wir an.«
Die Patientin tat ihr den Gefallen und lächelte. »Das machen wir. Sobald ich das Studium abgeschlossen habe.« Die Ironie triefte nur so aus ihrer Stimme.
»Wie schlimm hat es dich erwischt?«, fragte Jo. »Wann können wir über den Flur spazieren und gutaussehende Ärzte anschmachten?«
»Da musst du noch ein bisschen warten.« Johanna rollte ihre Augen zur Decke. »Du glaubst doch nicht im Ernst, dass es hier coole Typen gibt?«
»Doch«, erwiderte Jo mit fester Stimme. »In der Kantine habe ich einen getroffen. Heute Abend gehe ich mit ihm aus.«
»Erzähl!« Ein gieriger Funke glomm in Johannas Augen, so dass Jo beschloss, die Patientin in ihr Date einzuweihen. Alles, was sie aufheiterte, war gut.
»Nun, ich habe mich gestern noch mit Herrn Engel vom Patientenservice getroffen. Er wollte unbedingt in die Kantine des Krankenhauses und war unglaublich langsam.« Bildhaft beschrieb Jo, wie sich der alte Mann in Zeitlupe bewegt hatte und wie er anschließend zur Toilette schneckte. »Ich dachte schon darüber nach, einfach die Flucht anzutreten, aber dann kam der Radiologe«, schwärmte Jo. »Moritz, unglaublich sympathisch, attraktiv und charmant.«
»Du hast ihm wirklich deine Handynummer gegeben?«, fragte Johanna erstaunt, nachdem sie sich die Geschichte angehört hatte. »Schon nach zehn Minuten?« Ihr Gesicht zeigte zum ersten Mal lebendige Anteilnahme.
»Du hast mir deinen Schlüssel gegeben«, erwiderte Jo achselzuckend.
»Nur, weil du mir sonst einen ganzen Eimer voll Wasser aufs Bett gekippt hättest!«, rechtfertigte sie sich.
Beide brachen in herzliches Lachen aus. »Ich lege dir den Schlüsselbund wieder in den Schrank«, sagte Jo. »Falls ein hübscher junger Pfleger oder ein Assistenzarzt kommt, der dir gefällt, kannst du ihn ohne Bedenken mit nach Hause nehmen.« Dann dachte sie an die Studentin, die nach Johanna gefragt hatte. »Hast du eigentlich ein Handy?«, fragte sie.
Johanna nickte. »Meins ist kaputt, aber ein Pfleger hat sich ein Neues gekauft und mir sein Altes ausgeliehen.«
»Ah, das ist gut, dann kannst du …«
»Hier wird gelacht, das freut mich!« Plötzlich stand Moritz in der Tür – mit einer großen Kladde unter dem Arm. Jo starrte ihn entsetzt an.
»Ist er das?«, flüsterte Johanna kaum hörbar.
»Mh-mh«, gab sie beinahe lautlos zurück.
Johanna prustete drauf los. »Sorry, ich …«, gluckste sie. »Es liegt an meinem Kopf, bei dem Unfall wurde das Lachzentrum geschädigt.«
»Nun, Frau Schmitt, ich habe mir Ihre Aufnahmen angesehen, mit Ihrem Kopf ist aus meiner Sicht wieder alles in Ordnung. Sie haben viel Glück gehabt. Es ist nichts zurückgeblieben, das mein Gerätepark diagnostizieren könnte.«
»Ich dachte immer, Radiologen hätten sonntags frei«, murmelte Jo nachdenklich.
»Na ja«, erwiderte er, »ich wollte ein paar Dinge aufarbeiten, die liegen geblieben sind. Und ich … Nun, du hast mich erwischt. Ich wollte dich sehen.«
Johanna grinste ihn freimütig an. »Keine schwarzen Schatten auf meinen Aufnahmen? Wegen der Depression, die Jo vermutet.«
»Das funktioniert ein wenig anders«, sagte er und rückte einen Stuhl neben Johannas Bett. Dann blickte er auf Jo. »Sollen wir sie auf den Flur schicken, während wir die Diagnose besprechen?«
Johanna schüttelte den Kopf. »Nein, Herr Doktor, das können Sie nicht bringen, dann wird sie eifersüchtig.« Während sie sprach, blinzelte sie ihn übermütig an.
Jo, die schräg hinter Moritz saß, wedelte mit beiden Händen. »Bitte nicht!«, versuchte sie auszudrücken – leider vergeblich. Moritz hatte sie gestern mit einer Kiste voller Vibratoren in der Hand gesehen, es war nicht vorauszusehen, wie er reagieren würde, wenn Johanna ihm jetzt mitteilte, dass Jo das Abendessen als Date ansah. Zumal sie der Patientin noch nicht gebeichtet hatte, dass sie am Pfingstmontag vor den Standesbeamten treten sollte.
»Nun gut.« Zum Glück ließ Moritz sich nichts anmerken und öffnete seine Kladde. Er zog ein Röntgenbild nach dem anderen heraus und erklärte Johanna ihre Verletzungen. »Der Oberschenkelhalsbruch wurde mit einer Platte fixiert, das sieht alles sehr gut aus. Sie können morgen mit der Physiotherapie anfangen. Ansonsten sind Sie mit einem blauen Auge davongekommen. Wobei uns der steigende Hirndruck am Anfang wirklich Sorgen machte, aber Sie haben alles gut überstanden.«
»Bisher war noch nie ein Radiologe bei mir«, sagte Johanna. »Wie haben Sie herausgefunden, dass Jo hier ist?«
Moritz grinste. »Beziehungen«, antwortete er leichthin.
»Machen Sie doch auch mal eine MRT-Aufnahme von ihr«, schlug die Studentin gut gelaunt vor. »Vielleicht erkennen Sie ja, warum sie so nett zu mir ist.«
»Nett?«, fragte Moritz. »Die Stationsschwester hat mir erzählt, dass sie Sie mit Wasser übergossen hat.«
»Das war ein Versehen!«, rief Jo.
Johanna prustete drauf los. »Nun, ich hatte es verdient, würde ich sagen.«
Moritz erhob sich. »Bleibt es bei heute Abend?«, fragte er Jo. »Ich würde dich abholen, falls ich darf.«
»Gern«, erwiderte sie. »Ich schicke dir die Adresse aufs Handy.«
Johanna formte mit ihren Händen ein pulsierendes Herz. »Und wenn Sie einen jüngeren Kollegen finden, der genauso nett ist wie Sie, schicken Sie ihn bitte zu mir. Denken Sie sich einfach eine Verdachtsdiagnose aus, die zu seinem Fachgebiet passt.«
Moritz streckte Johanna die Hand hin. »Das mache ich, Frau Schmitt.« Er zwinkerte der Patientin zu, drehte sich um und war auch schon verschwunden.
»Wow«, murmelte Johanna nachdenklich. »Du hast echt Glück.«
»Du wirst auch wieder Glück haben«, sagte Jo mit fester Stimme.
»Und wenn nicht?«
»Dann verklagen wir das Universum beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte.«
»Guter Plan.« Johanna starrte aus dem Fenster. Jo befürchtete einen Moment lang, dass sie wieder in Schweigen verfallen würde. Doch dann sprach sie weiter. »Eigentlich hatte ich gar nicht so viel Pech«, sagte sie nachdenklich. »Meine Eltern sind ehrgeizig, aber das bin ich auch. Ich wollte Jura studieren. Doch es war nicht leicht. In der Schule konnte ich mit Fleiß alles erreichen, aber an der Uni weht ein anderer Wind. Dann kam der Winter und ich wurde so unendlich müde. Ich kam nicht mehr mit, hatte ein schlechtes Gewissen und spielte meiner Mutter und meinen Schulfreundinnen am Telefon die erfolgreiche Studentin vor. Diese ganzen Lügen haben mich zusätzlich belastet. Ich bin in eine Spirale geraten und die hat mich nach unten gesaugt – bis ich mich eines Morgens einfach im Bett umdrehte, als der Wecker klingelte.«
»Und wie stehst du jetzt zu dem Fach? Natürlich ist es anstrengend, sich durch Jura durchzubeißen, aber kannst du dir vorstellen, als Anwältin oder als Richterin zu arbeiten?«
»Ich weiß es nicht.«
»Finde es heraus«, schlug Jo vor. »Falls du dem Fach noch eine Chance geben willst, fahre ich an die Uni, sehe nach deinen Terminen und dann machen wir einen Plan. Du bist erst im zweiten Semester und kannst das noch aufholen.«
»Willst du mir Nachhilfe geben?«, fragte Johanna.
Jo blickte verlegen auf den Boden.
»Das heißt nein, übersetze ich mal freimütig.« Johanna seufzte.
»Ich kann nicht«, flüsterte Jo und knetete ihre Hände. »Wenn ich dir das erzähle, wirst du mich für verrückt halten.«
»Du hast den Siff in meinem Appartement beseitigt, da ist es nur fair, wenn ich jetzt auch einen Blick auf deinen inneren Friedhof werfen darf«, sagte Johanna entschlossen.
Jo sah auf ihre zitternden Finger. »Vorgestern bin ich im Supermarkt gewesen und wusste plötzlich nicht mehr, wer ich war. Stell dir das mal vor! Ich stand mit einem Einkaufswagen in der Schlange und wusste nichts! Nicht meinen Namen, nicht den Wochentag, einfach nichts.«
»Was?« Johanna starrte sie ungläubig an.
»Ich weiß, ich hätte den Notarzt rufen sollen, aber es ging mir gut, also habe ich über geschickte Recherche versucht, mir die Erinnerungen wieder zu holen. Ich habe fast jedes Blatt Papier in meinem Arbeitszimmer gelesen und den Computer durchwühlt. Diese Woche habe ich frei, allerdings weiß ich noch nicht, wie ich nach Pfingsten meinen Job bewältigen soll, wenn ich mich nicht mehr an mein Studium erinnere. Vielleicht kommt das Gedächtnis ja wieder, wer kann das schon wissen …« Jo plapperte wie ein Wasserfall, während Johanna sie ruhig ansah.
»Der süße Radiologe sollte dich untersuchen«, schlug sie vor.
»Ich will nicht ins Krankenhaus.«
»Das sagst du mir?« Johanna schluckte. »Kannst du das irgendwie logisch begründen?«
Jo zuckte mit den Schultern. »Naja, gestern hat eine Freundin erwähnt, dass ich kein Blut sehen kann. Das könnte ein Grund sein.«
»Und was machst du, wenn der Hübsche von eben dich über deine Vergangenheit ausfragt, sobald ihr euch heute Abend gegenübersitzt?«
Jo seufzte. »Dann habe ich ein Problem. Ein weiteres, will ich sagen.«
»Was noch?«, fragte Johanna mit großen Augen.
»Ich werde am Pfingstmontag heiraten.«