Kapitel 16 - The Enchanted Greenhouse - Ein Schimmer der Hoffnung
By Sarah Beth Durst
Die Pflanzen hasteten vornweg: Sie wuselten, hüpften und purzelten übereinander. Terlu hätte sie drollig gefunden, wäre da nicht der Ausdruck auf Yarrows Gesicht gewesen. Sie hielt mit ihm Schritt, und Dendy galoppierte neben ihr her. So stürzten sie in die Gewächshäuser.
Die Rosen flogen vorbei.
Die Farne.
Sie platzten in das sumpfige Gewächshaus, in dem es nach Kohlsuppe roch – Terlu hatte es an ihrem ersten Tag hier auf der Insel durchquert. Noch immer stand es voll üppigem Grün und fantastischen Blumen. Wohin sie auch schaute, sah sie riesige Blätter, Moose und Schlingpflanzen. Wasser tropfte, aber die Luft, die schwül hätte sein sollen, war kalt. Das Problem war offensichtlich: Die falsche Sonne war erloschen. Beim letzten Mal hatte Terlu die Augen zusammenkneifen müssen, um zu ihr aufzuschauen, doch nun war die Kugel in der Kuppel rauchgrau wie das Innere eines kalten, verrußten Ofens.
Von den tanzenden Libellen mit den diamantenen Leibern und goldenen Flügeln war nichts mehr zu sehen: Sie mussten die Flucht ergriffen haben. Terlu konnte nirgends mehr eine entdecken.
Ein lautes, scharfes Geräusch hallte durch das Gewächshaus.
Durch eine Glaswand lief ein Riss, schnell und immer schneller, verästelte sich zur Kuppel hin.
»Ich muss die Pflanzen retten!«, rief Yarrow.
»Sag uns, was wir tun sollen«, bat Terlu.
»Euch?«
Terlu schaute in die Runde der sprechenden Pflanzen. Sie wollte nicht einfach für alle sprechen, aber wenn sie sich nicht irrte …
»Mir!«, rief Lotti.
»Uns«, korrigierte Dendy nachdrücklich.
Lautstark stimmten die anderen zu, dann wurden sie still. Nur ihre Blätter raschelten: Sie zitterten vor Furcht. Wie Terlu sie bewunderte: gestern noch in verzaubertem Dämmerschlaf gefangen, heute fest entschlossen, anderen beizuspringen!
Yarrow sah aus, als wollte er noch etwas sagen, nickte dann aber nur. »Wenn das Ökosystem eines Gewächshauses kollabiert, wird es zunächst eiskalt und dann unbeschreiblich heiß. Die Zauber versagen nicht einfach, sie spielen verrückt. Bevor das passiert, müssen wir so viele Pflanzen wie möglich hier rausholen. Aber ihr müsst euch rechtzeitig in Sicherheit bringen. Hört ihr? Bringt euch auf keinen Fall selbst in Gefahr!«
Lotti klatschte in die Blätter. Es klang nicht besonders beeindruckend. »Ihr wisst Bescheid! Packen wir’s an!« Dann wandte sie zögerlich die Blüte Yarrow und Terlu zu. »Was machen wir denn genau?«
Yarrow war bereits an der Arbeit. Er hatte seinen Mantel abgeworfen, die Hemdsärmel hochgeschoben und sich eine Schaufel gegriffen. Nun grub er einen prächtigen rot blühenden Hibiskus aus.
Rasch schaute Terlu sich um. Die meisten Pflanzen wuchsen in Beeten, aber es gab auch einige Töpfe. »Du, du und du auch …« Sie deutete der Reihe nach auf drei Pflanzen, die besonders groß gewachsen waren und viele kräftige Blätter und Ranken hatten, mit denen sie zupacken konnten. »Beginnt mit den Töpfen und tragt sie nach nebenan! Yarrow, wo finde ich Spaten? Und Handschaufeln? Sie müssen so klein sein, dass die Pflanzen sie benutzen können!«
»Geh ostwärts durch zwei Gewächshäuser und dann bei den Rosen links.« Yarrow unterbrach seine Arbeit nicht. »In der Ecke des Zitrushauses findest du Gartengeräte.«
Terlu nickte. »Ich hole sie! Dendy, sobald Yarrow den Strauch ausgegraben hat, bring ihn zusammen mit ein paar anderen weg. Lasst ihn einfach nebenan liegen; einpflanzen können wir ihn später!«
»Sehr wooohl!«, bestätigte Dendy.
Terlu rannte durch die Gewächshäuser, bog im Rosenhaus links ab und lief weiter, bis sie durch eine Tür in ein Haus voller Zitronen-, Limonen- und Pampelmusenbäume gelangte. Keuchend blieb sie stehen. Das unverwechselbare scharfe Aroma von Zitrusfrüchten hing in der Luft. Prompt schaute sie sich nach Orangenbäumen um … Nein, Terlu! Du kannst jetzt nicht rumbummeln und dir alles angucken!
Wo genau waren die Gartengeräte gelagert? Hätte sie doch nachgefragt! Jeder vergeudete Moment konnte bedeuten, dass sie eine weitere Pflanze zurücklassen mussten. Sie lief auf die nächstbeste Ecke zu. Dort stand ein Zitronenbaum, aus dessen dunklem Laub leuchtend gelbe Zitronen lugten.
Weiter, weiter! In der nächsten Ecke …
Volltreffer!
Terlu warf alle Handschaufeln in eine Schubkarre und legte noch zwei Spaten obendrauf. Sie hätte noch weitere mitnehmen können, aber die sprechenden Pflanzen würden die Handschaufeln besser halten können. Dann packte sie die Schubkarre an den Griffen und hastete wieder los. Ihre Achselhöhlen waren feucht, und sie rang schwer nach Atem. Die Schubkarre schwankte und kippte zweimal beinahe um, doch schließlich hatte Terlu es zurückgeschafft.
Im versagenden Gewächshaus stürzten alle Pflanzen mit Bewusstsein durcheinander. Die eine Hälfte schleppte Töpfe davon, die andere wieselte herbei, um sich neue Last aufzuladen.
Terlu krümmte sich schnaufend über der Schubkarre zusammen. Wann war sie das letzte Mal so gerannt? Sie war wirklich nicht dafür geschaffen. Ihr Atem pfiff, ihre Brust brannte. Aber sie richtete sich auf und verteilte die Schaufeln.
»Gib mir einen Spaten!«, verlangte Efeu Risa. Terlu reichte sim einen, und sif schlang die Ranken fest um den Stiel. Dann wickelte sif sich halb um eine Säule und stieß das Spatenblatt in die Erde. Bald regneten Klümpchen auf sis Blätter, den Boden, den Weg. Unbeeindruckt grub sif weiter.
Die anderen Pflanzen packten die Handschaufeln, manche mit ihren kräftigen Blättern, andere mit ihren Ranken, eine gar mit den Wurzeln. Aber alle brachten es fertig. Alle bis auf Lotti.
»Ich will helfen!«, rief die kleine Rose bebend. »Terlu, ich weiß nicht, wie ich helfen soll … Bitte lass mich helfen!« Neben den riesigen Dschungelpflanzen sah sie winzig aus. Sie konnte keinen Topf verrücken und nicht einmal die kleinste Handschaufel halten. »Terlu, bitte! Ich kann nicht bloß zuschauen. Das halte ich nicht aus! Ich will nicht im Hintergrund hübsch aussehen!«
Terlu betrachtete die kleine Rose. »Kannst du klettern?«
»Ja! Warum?«
Sie hatten keine Ahnung, wie viel Zeit ihnen blieb. Wenn sie so viele Pflanzen wie möglich retten wollten, mussten sie methodisch vorgehen. »Wir brauchen jemanden, der alles überblickt und uns Anweisungen gibt. Von oben kannst du am besten entscheiden, was schnell ausgegraben werden kann. Geh vom Einfachen zum Schweren!«
»Ja, das kann ich machen!« Lotti flitzte an einer Säule hoch wie ein Eichenhörnchen aus Blättern. Bald brüllte sie Befehle aus den Dachsparren. »Dendy, drei Reihen zu deiner Linken wächst ein Pfeilblatt, das sich noch nicht ausgebreitet hat – ja, da! Nif, hilf Hosha mit dem eingetopften Farn zwei Beete weiter rechts! Ree, die Gräser! Ja, genau die! Zyndia, pack mit an!«
Terlu nahm sich den zweiten Spaten und machte sich daran, eine kleine Palme auszuheben. Hoffentlich durchtrennte sie mit dem scharfen Blatt nicht zu viele Wurzeln … Die hatten sich bestimmt weit ausgebreitet, denn die tropischen Bäume und Sträucher wuchsen ja schon seit langem hier. Würden sie es überhaupt verkraften, umgepflanzt zu werden? Aber es blieb keine Wahl: Wenn sie in diesem Gewächshaus gelassen wurden, würden sie auf jeden Fall sterben.
Alle taten, was sie konnten. Sobald ein größerer Busch oder ein Baum aus der Erde gehoben werden konnte, umschwärmte ihn ein ganzer Trupp Pflanzen, um ihn mit vereinten Kräften abzutransportieren. Lotti dirigierte geschickt das Geschehen, rief, wenn nötig, Unterstützung herbei und teilte allen immer wieder neue Aufgaben zu.
Terlus Arme und Schultern schmerzten, und am Griff des Spatens rieb sie sich Blasen. Sie war in Schweiß gebadet. Mühsam wuchtete sie die Palme aus der Erde, schleppte sie ins angrenzende Haus und eilte zurück.
Yarrow grub wie ein Besessener. Erde flog umher, bedeckte seine Kleider, häufte sich auf dem Weg hinter ihm. Er wischte sich nicht einmal den Schweiß aus den Augen.
Dann warf er plötzlich seinen Spaten beiseite, fiel auf die Knie und buddelte mit den Händen weiter. Terlu lief zu ihm und half, den Wurzelballen freizulegen. Als sie einmal um den Stamm herum waren, sprang Yarrow auf und hob den Baum aus dem Loch. Gemeinsam trugen sie ihn nach nebenan. Durch die Tür mussten sie ihn zerren. Dabei brachen die Astspitzen ab, aber daran ließ sich nichts ändern. Sie ließen den Baum auf dem Weg liegen.
Yarrow sagte nichts, als sie zurück in das versagende Gewächshaus hasteten.
Opuntie Hosha und Orchidee Amina versuchten, einen Strauch durch die Tür zu manövrieren, und Terlu packte mit an. Die Winde schleppte einen Topf an ihnen vorbei. Der Rittersporn und der Feuerbusch gruben zusammen mehrere Büschel leuchtend roter Blumen aus. Im angrenzenden Gewächshaus wurde es langsam eng. Bestimmt mussten die Blumen, Sträucher und Bäume rasch versorgt werden, wenn sie den Schock überstehen sollten. Nur wie sollte man die nötige Temperatur und Luftfeuchtigkeit gewährleisten?
Aber darum mussten sie sich später sorgen. Terlu atmete tief durch, ließ die Schultern kreisen und warf sich wieder ins Getümmel. Lottis Anweisungen folgend grub sie Blumen aus einem Beet und brachte sie mit der Schubkarre weg.
Dann schaute sie sich um. Es schien sich kaum etwas verändert zu haben. Sie sah Grün, wohin sie auch blickte. Sie hätten schon Stunden gebraucht, um einfach nur alles niederzumähen. Aber um die dichte Vegetation mit unbeschädigten Wurzeln auszugraben … Das würde Tage in Anspruch nehmen. Bloß haben wir keine Tage, befürchte ich.
»Kannst du schätzen, wie viel Zeit uns noch bleibt?«, fragte sie Yarrow.
»Nicht genug«, versetzte er grimmig.
Terlu hob ihren Spaten auf. Gäbe es mehr Gärtner auf der Insel, hätten sie vielleicht eine Chance. Aber so? Nicht einmal der beherzte Einsatz der sprechenden Pflanzen würde das Blatt wenden. Es ist hoffnungslos. So schnell und hart sie auch arbeiteten – sie konnten es nicht schaffen. Wieder trieb sie den Spaten in die Erde.
Und schauderte mit einem Mal.
Wie konnte sie frieren? Sie schwitzte so heftig, aber der Schweiß wurde klamm auf ihrer Haut. Die Kälte drang ihr bis ins Mark. Als sie nach oben schaute, sah sie, dass sich Eisblumen auf dem gesprungenen Glas gebildet hatten. »Yarrow!«
Er hob den Kopf. Sein Atem hing weiß vor seinem Gesicht. »Alle raus hier!«
»Lotti, komm runter!« Terlu hob ihren Mantel auf und zog ihn an. Efeu Risa zerrte einen Bananenbaum hinter sich her. Mit steifen Händen half sie sim, ihn auf den Schubkarren zu laden. Risa stützte den Baum, und sie brachte beide aus dem Gewächshaus. Dann lief sie wieder hinein.
Dendy war noch dabei, eine Pflanze mit glänzenden gelben Trompetenblüten auszugraben. Er verschwand beinahe unter den großen Elefantenohrblättern. Die Pflanze schwankte, als er mit der Handschaufel gegen die Wurzeln stieß.
»Die Temperatur fällt«, warnte Terlu. »Deine Blätter werden gefrieren!«
»Nuuur noch einen Auuugenblick.«
Sie griff selbst nach einer Handschaufel und half ihm. Die Kälte wurde immer grimmiger, schnitt durch ihren Mantel. Ihr Atem stieg wie Nebel in die Luft. An den Blattspitzen des Philodendrons bildete sich Raureif, und er fing an zu zittern.
»Dendy, lass gut sein!«
Er schlang die Sprossachsen um die kräftigen Stängel der Pflanze und zog. »Ich kann siiie doch nicht zurücklassen …«
»Yarrow!«, schrie Terlu. Sie schaute hoch und sah, dass Lotti sich an einen Dachsparren klammerte. Sie hatte das Gewächshaus auch noch nicht verlassen. »Lotti, du musst jetzt sofort da runterkommen!«
Yarrow kam angerannt.
Da Dendy sich ohne das Elefantenohr nicht vom Fleck rühren wollte, stieß Yarrow seinen Spaten in die froststarre Erde. Auch Dendy grub weiter.
Terlu schlotterte jetzt am ganzen Leib. Sie lief dorthin, wo Lotti auf ihrem Dachsparren kauerte, und legte den Kopf zurück. »Nun komm, Lotti! Bitte! Du erfrierst da oben!«
»Ich kann nicht!«, jaulte Lotti. »Hier oben ist alles vereist! Ich falle runter und zermatsche!«
Es war jetzt so eisig, dass die Kälte weh tat. Sie biss Terlu in Wangen, Nase, Ohren. Jeder Atemzug brannte. Keine Pflanze konnte so etwas überleben! Wenn Lotti blieb, starb sie. Wenn ich bleibe … Sie würde sich Erfrierungen zuziehen, wenn sie noch lange hier herumstand. Das waren keine normalen Wintertemperaturen. Es war eine bittere, todbringende Kälte.
»Du musst mich auffangen!«, quiekte Lotti.
»Nein! Warte!« Im Fangen war Terlu gar nicht gut. Auf ihrer Heimatinsel hatte es ein beliebtes Strandspiel gegeben. Zwei Gruppen traten gegeneinander an. Die Spieler einer Gruppe warfen einen Stoffball zwischen sich hin und her, und die der anderen versuchten, ihn in die Finger zu bekommen. Terlu war immer als Letzte in eine Gruppe gewählt worden. Wenn etwas auf sie zuflog, schloss sie unwillkürlich die Augen.
Lotti hörte nicht auf sie. Sie sprang, ohne zu zögern. »Juchheee!!«
Alles ringsum schien sich aufzulösen; die Welt bestand nur noch aus der fallenden Rose. Terlu streckte die Hände aus, aber ihr war, als bewegte sie sich durch Sirup. Sie war zu langsam! Und ihre Hände waren viel zu klein … Ich hab keine Chance! Sie schlägt noch auf dem gefrorenen Boden auf, weil ich so unfähig bin! Sie trat nach links. Nein, nach rechts! Halt, nein, doch nach links …
Lotti landete in ihren Händen.
Terlu bekam wieder Luft.
Sie drückte die kleine Pflanze an sich und taumelte auf die Tür zu. Wie warm es im angrenzenden Haus war! Sie fiel auf die Knie. Ihre Finger und Zehen begannen zu kribbeln und zu stechen. »Yarrow?«
Keine Antwort.
Er war nicht da.
»Dendy?«
Aber auch der Philodendron fehlte. Beide waren in dem klirrend kalten Gewächshaus zurückgeblieben. Das Glas war so mit Eisblumen bewachsen, dass sie nicht hindurchsehen konnte.
Sie setzte Lotti ab, und Efeu Risa rollte sich wie eine Schlange um die kleine Rose. »Ich wärme dich.«
Lotti zitterte. »Danke!«
Terlu arbeitete sich auf die Beine. Auf einen solchen Notfall war sie schlecht vorbereitet. Weder ein Sprachstudium noch die Verwandlung in eine Statue brachten einen körperlich so in Form wie die tägliche Arbeit eines Gärtners. Unter normalen Umständen war das auch nicht weiter schlimm …
Sie rannte zurück in das eisige Gewächshaus.
Yarrow und Dendy kämpften mit dem riesigen Elefantenohr. Terlu wollte ihnen helfen, aber als sie einen der dicken Stängel ergriff, brach er in ihren Händen. »Es ist zu spät«, sagte sie behutsam. »Dendy, wir müssen hier raus!«
Der Philodendron antwortete nicht. Er rührte sich kaum noch.
»Yarrow, lass die Pflanze und komm!« Sie nahm Dendy auf den Arm. »Es ist zu kalt. Du kannst nicht hierbleiben!«
»Nimm Dendy schon mal mit«, bat er.
Sie zögerte.
»Geh schon!«
Schnell lief sie auf die Wärme des angrenzenden Gewächshauses zu. Der Philodendron fühlte sich kalt und starr an. »Wir haben es fast geschafft!«, raunte sie ihm zu. »Halt durch … Gleich geht’s dir besser!«
Sie fiel mehr durch die Tür, als dass sie ging.
Im Kreis der anderen sank sie zu Boden. »Dendy, sag was! Bitte!«
Er war still. Und reglos.
»Was soll ich nur tun? Er ist so kalt!« Sie berührte eins seiner Blätter – es brach ab. Sie schrie auf, und Tränen schossen ihr in die Augen. Alles tat ihr weh. Sie hatten sich so bemüht … Aber sie waren der Katastrophe nicht gewachsen gewesen. »Dendy … Bitte wach doch auf!«
Sie spürte Hände auf den Schultern.
»Er braucht Wärme«, sagte Yarrow. »Bringst du ihn zum Ofen?«
Sie rappelte sich auf, den Philodendron noch in den Armen. Seine froststarren Sprossachsen schleiften hinter ihr her. Wie dürr und zerbrechlich er war! Sein Wurzelknoten hielt kaum noch Erde, als könnte er sie nicht mehr richtig greifen. Einige seiner Blätter waren schwarz geworden.
»Ich bin gleich bei euch«, versprach Yarrow. »Ich hole nur rasch einen Topf.«
Am Ofen trafen sie sich wieder. Yarrow stellte einen großen Blumenkübel hin, der bereits zu zwei Dritteln mit warmer, weicher Erde gefüllt war. Behutsam setzte Terlu Dendy hinein. Er hätte die Wurzeln selbst eingraben sollen, aber da er es nicht tat, häufte sie Erde darüber.
Yarrow schnitt ihm die toten Blätter ab. »Die wachsen nach. Philodendren sind robust.«
»Was ist aus dem Elefantenohr geworden?«
Stumm schüttelte er den Kopf.
»Und was wird aus den anderen?«
»Die Geretteten muss ich so rasch wie möglich wieder einpflanzen.« Das war keine richtige Antwort – und dadurch in gewisser Weise doch eine. Seine goldene Haut war mit Dreck und Schweiß verschmiert, der Blick seiner Augen gequält. »Bleib bei Dendy, ja? Er sollte nicht allein sein, wenn er aufwacht.«
Sie nickte, und er stand auf und ging davon.
Sie umarmte den Blumenkübel, dankbar für den magischen Ofen. Sobald Dendy zu sich gekommen war, würde sie Yarrow helfen. Da spürte sie einen leichten Druck auf dem Fuß: Lotti war daraufgeklettert und wollte nun an ihrem angewinkelten Bein hochkrabbeln. Terlu hob sie auf und setzte sie auf ihr Knie.
»Ich hab versucht zu helfen«, piepste Lotti.
»Ja, ich auch.«
»Wir waren nicht schnell genug.«
Es gab nichts, was Terlu hätte sagen können. Also hielt sie die kleine Rose und den stummen Philodendron nur dicht bei sich. Nach einer Weile kam Emeral angeflogen und rollte sich neben ihr zusammen. Sie kraulte ihn mit einer Hand. Ringsumher auf Ästen, Blumen und Ranken hockten die diamantenen Libellen. Sie tanzten nicht mehr.
Im angrenzenden Gewächshaus erfroren die tropischen Pflanzen. Dann flackerten die Zauber noch ein letztes Mal auf, und was von dem einst so prächtigen Grün noch übrig war, verdorrte und verbrannte in sengender Hitze.
Terlu weinte still – sowohl um die unschuldigen Pflanzen als auch über Yarrow, ihre Ohnmacht und Dendy, der sich nicht regte.
Endlich versiegten ihre Tränen.
Sie atmete durch.
Vielleicht konnte sie sich jetzt wieder in Bewegung setzen. »Ich sollte Yarrow helfen gehen.«
»Ich komme miiit.« Dendy streckte seine verbliebenen Blätter.