Kapitel 23: Kapitel Dreiundzwanzig - Secrets of the Sea - Erinnerungsdiebin
By B.E. Pfeiffer
Wärme flutete meinen ganzen Körper. Leise stöhnend ergab sich Caspian dem Kuss, schob eine Hand in meinen Nacken und liebkoste ihn mit seinen Fingerspitzen. Zurückhaltend strich seine Zunge über meine Lippen, und das war eine willkommene Einladung für mich. Ich öffnete sie, legte den Kopf zurück und ermöglichte es Caspian, meinen Mund zu erobern. Erst umspielte seine Zunge meine nur bedächtig, doch schnell wurde Caspian fordernd. Auch ich wollte mehr, konnte ihm nicht nah genug sein, brauchte ihn, wollte ihn so dicht wie möglich spüren. Kein Zentimeter sollte zwischen uns sein.
Ein Stöhnen entschlüpfte mir und ich sank gegen Caspian, der den Arm um meine Taille schlang und mich enger an sich zog und mir gab, was ich brauchte.
Draußen prasselte immer noch der Regen, hier und da erklang ein Ruf wie aus weiter Ferne. Aber nichts davon hatte in diesem Moment Bedeutung für mich. Stattdessen spürte ich nur Caspians Finger auf meiner Haut, sein Atem gegen meine Lippen, wenn wir uns kurz lösten, um stöhnend Luft zu holen. Das Einzige, was zählte, war Caspian und das zauberhafte Gefühl, das er in mir auslöste, ohne irgendwelche Magie einzusetzen.
Sobald ein Kuss endete, begann ein neuer. Ganz gleich, ob ich meine Lippen kurz von Caspians löste, um Luft zu holen, oder er sich ein wenig zurückzog, um durchzuatmen, wir fanden einander sofort wieder, als würden wir uns gegenseitig anziehen.
Vielleicht war es töricht, in so einem Moment miteinander zu verschmelzen, wie wir es taten. Zumindest ich nahm kaum noch Geräusche von draußen wahr, hörte den Regen lediglich gedämpft, die Rufe der Wachen wie in einer fernen Erinnerung. Alles, was ich jetzt spürte, war Caspian, seine Nähe und das Gefühl zu schweben, das seine Küsse in mir auslösten.
Dieser Verschlag war zu eng, um sich richtig zu bewegen, dennoch gingen meine Hände auf Wanderschaft. Ich strich über Caspians Rücken, seine Taille, die Bauchmuskeln, die ich unter dem Stoff spürte. Das Kribbeln in meiner Brust schwoll mit jeder Minute an, die ich Caspian so nahe war.
Als auch Caspian mit seinen Fingern über meinen Körper strich, gab ich ein genüssliches Knurren von mir. Ich konnte Caspians Schmunzeln auf meinen Lippen spüren, als ich unter seiner Berührung erbebte. Jetzt wünschte ich mir, ich hätte die luftige Kleidung angezogen, die ich auf dem Schiff trug. Unter mein Lederwams konnte Caspian nicht mit seinen Händen gleiten und meine Hose war zu fest und zu eng, als dass er mich an den Stellen hätte berühren können, an denen ich es mir wünschte. Aber er trug lockere Kleidung. Ich konnte ihn berühren.
Also brachte ich meine Hände an seinen Gürtel. Scharf sog Caspian den Atem ein, als ich mich daran machte, die Schnalle zu öffnen. Ehe es gelang, zerriss ein Schuss die Stille und wir beide schreckten auf.
»Ganz ruhig«, sagte Caspian, als ich zu zittern begann. »Das war weit weg. Es klang nur so laut, weil wir beide gerade …«
Statt weiterzureden, räusperte er sich und vermied es, mich anzusehen. Und mit einem Mal kam es mir in dem Versteck frostiger vor. Bereute Caspian den Kuss? Sollte ich ihn darauf ansprechen?
Er hielt mich immerhin noch in seinen Armen, versuchte gar nicht, Abstand zwischen uns zu bringen. Allerdings machte er auch keine Anstalten, mich erneut zu küssen.
»Hoffentlich sind Farah und Aram nicht in Gefahr«, sprach ich den ersten Gedanken aus, der mir einfiel.
Die beiden sollten uns gegen drei Uhr ablösen. Wir waren sicher noch keine vier Stunden hier, aber vielleicht hatten die Piraten bemerkt, dass etwas vorgefallen war. Das wussten wir beide nur zu gut. Allerdings war es ein unverfänglicher Gedanke, der die bedrückende Stille durchbrach, die Caspian zwischen uns hatte entstehen lassen.
»Sie kennen sich gut in der Stadt aus«, antwortete Caspian und strich beruhigend über meinen Rücken. »Wenn sie bemerken, dass die Wachen nach etwas suchen, werden sie sich verstecken. Also keine Sorge.«
Er legte die Hand an meinen Hinterkopf und zog mich enger an sich, bis meine Wange an seiner Schulter lehnte.
Schweigen legte sich ein weiteres Mal wie ein bleischwerer Mantel über uns. Die Kälte und Nässe machten mir weniger aus, als das beklemmende Gefühl, das mich jetzt überkam.
»Bereust du es?«, fragte ich, weil ich die Anspannung nicht länger aushielt.
»Den Kuss?« Caspians Stimme klang ungewohnt belegt. Er schwieg gefühlt eine volle Stunde, ehe er flüsterte: »Nein.«
Erleichtert atmete ich aus. »Ich auch nicht.«
»Da bin ich froh.« Caspian wickelte eine meiner Haarsträhnen um seinen Finger und betrachtete sie eindringlich.
Wieder schwieg er und in meinem Kopf begann es, zu rattern. Wenn er den Kuss nicht bereute, wieso konnte er mich dann nicht ansehen?
»Was ist los?«, fragte ich deswegen frei heraus.
Gedehnt ließ er den Atem entweichen. »Ich bereue den Kuss wirklich nicht«, murmelte er. »Aber da … da gibt es einige Dinge, die ich dir vielleicht sagen sollte, bevor wir so etwas wiederholen.«
»Lass mich raten: Du bist verheiratet.«
Ich wollte lachen, doch die Anspannung hinderte mich daran. Viel zu zögerlich schüttelte Caspian den Kopf.
»Nein, bin ich nicht. Aber wirklich frei zu wählen, mit wem ich zusammen sein möchte, bin ich auch nicht.«
Mit gerunzelter Stirn studierte ich sein Gesicht. »Wie soll ich das verstehen?«
»Es ist … kompliziert.« Er gab meine Haarsträhne frei. »Und ich bin ein Feigling, Nektaria. Ich wünschte, ich wäre so mutig wie du. Aber das bin ich nicht.«
»Was redest du denn da?« Ich umfasste sein Gesicht. »Du bist unglaublich mutig. Und selbstlos und …«
Caspian hob seine Fingerspitze an meine Lippen, fuhr die Konturen nach. Ich hielt den Atem an, genoss das Prickeln, das er mit seiner Berührung erneut auslöste.
»Ich bin all das, aber dann auch wieder nicht«, murmelte er. »Wäre ich mutig, würde ich dir mein Herz zu Füßen legen und dich bitten, mich trotz all meiner Dunkelheit zu erwählen. Aber dazu bin ich viel zu selbstsüchtig.«
»Ich kann dir nicht folgen«, nuschelte ich an seinem Finger.
Geräuschvoll schluckte er. »Gib mir einige Tage, um den Mut zu finden, dir alles zu erzählen, Nektaria. Nur nicht jetzt. Nicht, wenn wir hier festsitzen, weil ich zu ungeschickt bin, über das Dach zu laufen.«
»Das war nicht deine Schuld. Ich hätte auf der losen Schindel auch ausrutschen können.«
»Ich bin sicher, dass dir das nicht passiert wäre. Du hast diese Eleganz und Sicherheit, die den meisten Personen fehlen. Mich eingeschlossen.«
»Versuchst du, mir Komplimente zu entlocken?«
Er lachte leise auf. »Vielleicht? Wir könnten uns die Zeit vertreiben, indem wir uns gegenseitig Honig ums Maul schmieren. Ist besser, als trübsinnig zu schweigen, oder?«
Ich nickte, obwohl es unverändert in meinem Kopf ratterte. Caspian würde nicht darüber reden, was er mir verschwieg. Und ich fragte mich, was es sein könnte. Bisher hatte ich Caspian für ein offenes Buch gehalten. Dass er mir seine gesamte Geschichte bisher nicht erzählt hatte, verstand ich. Weder Maya noch Farah hatten mir alles über ihre Vergangenheit offenbart – obwohl wir uns gut verstanden. Aber wenn Caspian wegen seines Geheimnisses meine Nähe meiden wollte, wusste ich nicht, wie ich damit umgehen sollte, falls es wirklich so schlimm war, wie er es klingen ließ.
War er ein Tarynajäger gewesen?
Es würde Sinn ergeben.
Fürchtete er, ich könnte ihn deswegen hassen?
»Caspian«, wisperte ich, bevor mich der Mut dazu verließ. »Egal, was du in deiner Vergangenheit getan hast … ich bin sicher, ich kann es verstehen.«
Seine Muskeln spannten sich sichtlich an und wieder ließ er einige Momente verstreichen, ehe er etwas sagte. »Davon gehe ich aus«, raunte er. »Gib mir bitte dennoch Zeit, Nektaria. Ich will das nicht vermasseln.«
In mir drängte alles danach, die Wahrheit zu erfahren. Aber Caspian klang so niedergeschlagen, dass ich erneut nur nicken und meinen Kopf an seine Schulter schmiegen konnte.
Sanft strich er über meine nassen Haare und stieß den Atem aus. »Erinnere mich daran«, sagte er leise, »dass wir ab jetzt Kleidung zum Wechseln in unseren Unterschlüpfen verstecken.«
Ich hob den Kopf und sah ihm in die Augen. »Das ist ein Unterschlupf deiner Crew?«
»Hast du etwa gedacht, ich hätte dieses Versteck aus purem Glück gefunden?«, fragte er amüsiert.
»Bis gerade eben habe ich gar nicht darüber nachgedacht.«
Er lachte leise in sich hinein. »Habe ich dich so verwirrt?«
»Ja«, gestand ich. »Du und die Wachleute, die uns verfolgt haben.«
Behutsam legte er seine Hand an meine Wange. »Wir haben etwa ein Dutzend Verstecke in der Stadt, für den Fall, dass wir uns schnell in Sicherheit bringen müssen«, erklärte er. »In den nächsten Tagen werde ich sie dir zeigen und wie du sie öffnest. Einige sind so klein wie dieses, andere etwas geräumiger. Ceto hat die meisten davon gefunden, Alek hat die Mechanismen entworfen. Du sollst sie alle kennen, damit du sie ebenfalls nutzen kannst.«
»Ich … danke.«
»Dafür musst du mir nicht danken. Du bist jetzt Teil der Crew und ich will, dass du sicher bist, ganz gleich, was passiert.«
Obwohl Caspian Geheimnisse vor mir hatte, glaubte ich ihm diese Worte. Ich wusste, er würde alles tun, um mich zu beschützen. Und während der Regen weiterhin auf das Dach prasselte und wir darauf warteten, dass die Wachen die Suche nach uns stoppten, gab ich mir selbst ein Versprechen: Ich würde auch alles tun, um Caspian zu beschützen.
»Nein, so wird das nichts.« Stöhnend legte Farah die Stirn in Falten. »Wie kann es sein, dass du dir diese einfache Schrittfolge nicht merkst?«
Ich warf Ceto, der das Pech hatte, mein Tanzpartner zu sein, einen entschuldigenden Blick zu und trat einen Schritt zurück.
Seit zwei Tagen gab mir Farah nun Tanzunterricht. Und seit zwei Tagen hatte ich nicht das Gefühl, irgendwelche Fortschritte zu machen.
Nachdem Caspian und ich in den frühen Morgenstunden aus dem Versteck geschlüpft und zu unserem Boot geschlichen waren, hatten wir die Überwachung des Schlosses in der Nacht ausgesetzt. Die Wachen waren aktuell in höchster Alarmbereitschaft, weswegen Caspian nur bei Tag zwei Leute in die Stadt schickte, um sich umzuhören.
Die wildesten Gerüchte kursierten, was vor zwei Nächten geschehen war. Einige Leute erzählten, dass eine ganze Taryna-Armee versucht hatte, das Schloss zu stürmen und dabei gefangen genommen worden war. Andere meinten, die Totengötter wären persönlich erschienen, um die verdorbene Seele des Königs einzufordern.
Bei unserer Rückkehr hatte Caspian sofort erzählt, was wirklich geschehen war, mich in Schutz genommen, weil meine Magie so viel Aufsehen erregt hatte. Danach war er mir aus dem Weg gegangen. Jeden Morgen verließ er mit zwei Piraten das Schiff und kehrte erst bei Nacht zurück – allein. Und jedes Mal wirkte er noch erschöpfter auf mich.
Ich hatte Maya darauf angesprochen, aber sie war mir ausgewichen und hatte nur erklärt, dass sie mir dazu nichts sagen konnte. Andere Crewmitglieder hatte ich nicht befragt, denn ich wollte nicht, dass es aussah, als würde ich spionieren. Caspian war wohl der Einzige, der mir erklären konnte, was er an Land tat, und wieso es ihn so erschöpfte. Doch weil er mich ignorierte, würde ich es wohl nie herausfinden.
Trotz der Unruhen, die wir ausgelöst hatten, hielt Caspian an seinem Plan mit dem Ball fest. Deswegen musste Farah sich mit mir abmühen. Und deswegen war ich frustriert.
»Komm schon, Nektaria«, sagte Pearl mit breitem Grinsen. »Du kannst das. Es ist nichts anderes als eine besondere Kampftechnik.«
Ceto prustete los und hob die Schultern, als ich ihn finster ansah. »Sie hat schon recht, wenn du tanzt, kommt es einem Kampf gleich.«
»Das liegt nicht an mir, sondern an dem Kleid«, brummte ich und deutete auf das rosafarbene Ungetüm.
Es gehörte Farah, die einen halben Kopf größer war als ich und dementsprechend etwas breitere Schultern besaß. Sie hatte zwar das Kleid mit Stecknadeln enger gemacht, dennoch kam es mir zu groß vor. Auch der Saum, der bis knapp über den Boden reichte, war aufgesteckt, trotzdem stolperte ich bei jedem zweiten Schritt darüber. Farah wollte ihn nicht noch mehr kürzen, weil sie meinte, mein eigenes Kleid wäre genauso lang, da das der Mode entsprach. Ständig trat ich entweder mir selbst auf den Saum und riss Ceto dabei fast um; oder ich trampelte ihm auf die Füße. Vermutlich hatte ich ihm bereits mehrere Zehen gebrochen. Mitleid hatte Farah mit keinem von uns beiden.
»Du bist viel zu verkrampft«, kommentierte sie. »Außerdem denkst du zu viel nach. Bei den Kampfübungen sind deine Bewegungen fließend, intuitiv. Du überlegst nicht, ob du einen Schritt mit dem linken oder dem rechten Fuß machst, auf welchen du dein Gewicht verlagerst oder wie du deinen Oberkörper drehst. Wieso gelingt dir das beim Tanz nicht?«
»Das Kämpfen liegt mir wohl im Blut, Tanzen nicht«, antwortete ich trotzig.
Dachte sie, ich würde Ceto zum Spaß verletzen oder mich besonders ungeschickt anstellen? Ich wollte es schaffen. Nicht, weil ich jetzt schon bereit war, mich auf Caspians Plan einzulassen. Aber ich wollte vorbereitet sein, falls ich mich dafür entschied. So allerdings konnte ich unmöglich auf einem Ball tanzen. Selbst betrunkene Gäste würden erkennen, wie unfähig ich war.
»Vielleicht brauchst du nur den richtigen Partner.« Ceto hob die Schultern höher. »Ich könnte Aram fragen, ob er sich mit dir in diesen Kampf wagt.«
Beim besten Willen konnte ich mir Aram nicht als Tänzer vorstellen. Mit Alek konnte ich aber auch nicht üben, denn der sah mich immer noch an, als wäre ich ein Bote der Totengötter, die seine Seele forderten.
»Ich glaube, das wird nicht helfen«, murmelte ich und ließ die Schultern sinken. »Ich bin eben wirklich nicht zum Tanzen geboren.«
»Das ist wohl niemand«, erklang eine Stimme, mit der ich um diese Tageszeit nicht gerechnet hatte.
Ich drehte den Kopf zur Reling, über die sich Caspian mit breitem Schmunzeln schwang. Tiefe Schatten lagen unter seinen Augen, aber er wirkte bei Weitem nicht so erschöpft wie letzte Nacht, als ich ihn bei seiner Rückkehr beobachtet hatte.
Ceto brachte mehr Abstand zwischen uns, als Caspian mit hinter dem Rücken verschränkten Händen auf uns zuschritt. Sein Blick glitt über meinen Körper, als wollte er ihn damit liebkosen. Gänsehaut kribbelte an jeder Stelle, die er mit seinen Augen berührte, und eine tiefe Sehnsucht erwachte in mir.
Jede Nacht träumte ich von Caspian. Von unserem Kuss in dem Verschlag, dem Gefühl seines Körpers eng an meinen geschmiegt. Ich träumte davon, dass er mich unbemerkt auf das Schiff brachte, in sein Quartier führte und es dort nicht bei Küssen blieb. Und ich träumte davon, wie er mich hielt, mir die Sicherheit schenkte, nach der ich mich so sehnte.
Nur Pearl hatte ich erzählt, was zwischen Caspian und mir passiert war. Sie war die Einzige, bei der ich offen darüber reden konnte; die Einzige, die mich verstand. Aber auch Pearl hatte keinen Rat für meine Situation gewusst. Dafür hatte sie mich getröstet, wenn ich seufzend vor mich hingestarrt hatte, weil meine Gedanken zu Caspian gewandert waren. Ich verhielt mich wirklich lächerlich. Deswegen ertrug ich die Tanzstunden auch – sie halfen mir, mich auf etwas anderes zu konzentrieren, und zwar auf das Stehlen der Erinnerungen des Königs. Das sollte mein Fokus sein.
Caspians Anblick ließ mein Herz trotzdem davongaloppieren. Wieso reagierte ich so intensiv auf ihn?
Ja, der Kuss war unglaublich gewesen. Aber daran allein konnte es doch nicht liegen. Oder?
Dicht vor mir blieb er stehen und betrachtete mich.
»Du siehst bezaubernd aus«, raunte er mit schiefem Grinsen.
»Findest du?« Ich hob die Röcke an. »Ich fühle mich wie eine Glockenblume.«
Sein warmes Lachen vibrierte in meinem gesamten Körper. Was hätte ich dafür gegeben, meine Arme um ihn zu schlingen, um ihn für einen Kuss an mich zu ziehen? Aber das war vor Ceto und Farah unmöglich.
»Eine außerordentlich hübsche Glockenblume.« Caspian zwinkerte. »Obwohl … eine zornige Glockenblume trifft es eher.«
»Ich bin nicht zornig, nur frustriert.«
»Weil du nicht die Fortschritte machst, die du möchtest?« Ich nickte, worauf er einen Schritt zurücktrat, die linke Hand hob und sich vor mir verneigte. »Erlaube mir, dein Tanzpartner zu sein«, sagte er mit tiefer Stimme.
Das Kribbeln in meinem Inneren erreichte ein neues Level. Unsicher sah ich von Caspian zu Farah, die auffordernd nickte. So, wie sie es mir beigebracht hatte, sank ich in einen Knicks und hielt Caspian meine rechte Hand hin. Ohne zu zögern, ergriff er diese, zog mich hoch und nahm die Tanzhaltung ein.
Wegen des bauschigen Rocks berührten sich unsere Körper nicht, doch ich war Caspian so nah wie seit Tagen nicht mehr.
»Falls ich dir auf die Füße trete, entschuldige ich mich jetzt schon«, wisperte ich.
Sein Lächeln ließ meine Knie noch weicher werden. »Keine Sorge, ich halte das aus.«
Ohne Vorwarnung setzte er sich in Bewegung und riss mich mit. Keuchend folgte ich ihm, versuchte, mich an die Schrittfolge zu erinnern – und scheiterte. Denn Caspians Nähe ließ meine Gedanken stillstehen. Ich stolperte mehrmals, doch Caspian fing mich auf. Anfangs fühlte es sich verkrampft an, mit ihm zu tanzen, je länger wir uns allerdings drehten, desto lockerer wurde ich.
Gemeinsam schwebten wir über das Deck. Ich wusste nicht, ob ich die Schritte vollführte, die Farah mir beigebracht hatte, aber für den Moment war das egal. Zum ersten Mal fühlte es sich gut an, zu tanzen. Und das verdankte ich nur Caspian.