PORNOSTAR SHANYA JUNKIE KRIEGT BABY VON CONRAD KOCH! SCHAU DIR HIER DEN LIVESTREAM AN!!! - QualityLand 2.0
By Marc-Uwe Kling
T – 2:02:29:49
Die Suche nach sich selbst ist wahrscheinlich so ein altes Menschheitsding. Oder kam der ganze Quatsch erst mit der Moderne auf? Ist es eine Luxusbeschäftigung, die es erst gibt, seit Leben nicht mehr nur Überleben bedeutet? Heute suchen die Menschen nicht mehr nach sich selbst in indischen Klöstern (zu voll) oder im australischen Outback (zu heiß). Heute suchen sich alle im Netz. Die wenigsten sind mit dem zufrieden, was sie finden, und versuchen die Lücke mit Selfies, Likes und Kommentaren zu stopfen. Aber kaum jemand findet sich so wenig wie Kiki. Ganz umsonst ist ihre Recherche an diesem Morgen nicht. Immerhin kann sie einen weiteren Verdächtigen von ihrer kleinen Liste streichen. Cevin Freelancer ist tot. Heute früh gestorben. Die Meldung schafft es sogar auf die großen Nachrichtenseiten. Die offizielle Version lautet so: Cevin wurde von seinem eigenen Monsterbot zerquetscht, als er versuchte, eine Fehlfunktion zu beheben. Wie tragisch. Familie, Freunde und Fans werden ihn nie vergessen. Kikis Nachforschungen haben eine leicht andere Version der Geschichte ergeben. So lenkte Cevin Freelancer bekanntermaßen seine ganze Karriere lang einen »weiblichen« Monsterbot. Es spricht Bände – und zwar keine schönen – über das männliche Geschlecht, dass man sich den Rest der Geschichte denken kann. Cevin hat anscheinend versucht, seinen Monsterbot zu vögeln. Das jedenfalls legt die Position nahe, in der sein nackter Leichnam gefunden wurde. Zu seiner Verteidigung könnte man anführen, dass er ziemlich harte Drogen genommen hatte. Aber ist das wirklich eine gute Verteidigung? Zumal es offenbar nicht das erste Mal gewesen ist, dass sich Cevin an seinem Monsterbot verging. Ist »verging« das richtige Wort? Kiki weiß es nicht. Sie weiß nur, dass man daraus eine Regel machen könnte: »Versuche niemals, einen Monsterbot zu vögeln.« Das Ganze ist ein veritabler Skandal. Einer, den Cevin Freelancer sicherlich gerne vergessen machen würde, hätte er noch das Level dazu. Und wäre er noch am Leben.
Das bringt Kiki auf eine neue Idee. Sie wischt das Fenster mit den Nachrichten zur Seite und beginnt, ein kleines Programm zu schreiben. Es ist ein Bot, der ihre Suchanfragen überwacht und protokolliert, was mit ihnen passiert. Das Traurige ist, Kiki weiß einfach zu wenig über ihre Herkunft, um eine Frage stellen zu können, die präzise genug ist, damit sie das »Recht auf Vergessenwerden« auslöst. Das Problem ist nicht, dass ihre Suchanfragen keine Ergebnisse liefern. Das Problem ist, dass sie keine konkreten Ergebnisse liefern. Sie findet Berichte über verschwundene Kinder, aber keines davon ist sie. Klar, Kiki könnte noch mal nach ihrer DNA suchen, dazu müsste sie jedoch zurück ins Meldeamt.
Es muss einen anderen Weg geben. Sie zermartert sich ihr Gehirn, um sich an Skandale der oberen Zehntausend zu erinnern. Skandale, die wahrscheinlich dem Vergessen übergeben worden sind. Sie erinnert sich daran, mal gehört zu haben, dass Conrad Koch eine Pornodarstellerin geschwängert hat. Sie findet unzählige ausführliche Berichte dazu. Sogar eine Aufzeichnung des Live-Streams der Geburt des Babys. Koch lebt wohl nach dem Motto: »Ist der Ruf erst ruiniert, lebt’s sich gänzlich ungeniert.« Koch braucht seine Skandale nicht zu vertuschen. Bei ihm sieht man den Skandal vor lauter Skandalen nicht mehr. Kiki erinnert sich an eine Affäre um Tony Parteichef. Eine der Töchter des jetzigen Präsidenten soll in unsaubere Geschäfte mit einem der Warlords von Quan 7 verwickelt gewesen sein. Alles, was Kiki findet, sind Wahlkampfspots von Conrad Koch. Wahrscheinlich basieren sie nicht auf den Gerüchten, sondern andersherum. Kikis Suchanfrage verschwindet auch nicht aus dem Netz. Dann fällt ihr ein, dass Paul Adliger, der medial omnipräsente Sprecher der Do-Nothing-Yourself-Bewegung von einem Paparazzo beim Heimwerken in seinem Garten erwischt worden ist. Das muss schon ein paar Jahre her sein, aber Kiki hat es sich gemerkt, weil sie es so skurril fand. Sie sucht nach Paul Adliger und dem Paparazzo-Vorfall, findet aber nichts. Gleich darauf meldet ihr Bot, dass die Suchanfrage gelöscht worden ist. Bingo.