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Readers Treasury

Kapitel 11: Kapitel Elf - Secrets of the Sea - Erinnerungsdiebin

By B.E. Pfeiffer

Helles Kinderlachen erfüllte die Luft, die warm und angenehm war und die Kälte in meinem Inneren verdrängte.

»Nektaria«, sagte eine weiche Stimme. Melodisch. Fremd und doch vertraut. »Nektaria, bleib vom Wasser weg. Geh nicht zu nah ran.«

»Aber Mama, ich will die Fische sehen«, erwiderte eine Kinderstimme. Tief in meinem Inneren erkannte ich mich selbst in der Stimme, aber … wie hatte ich die andere Person genannt?

Mama? Dass ich eine Mutter haben musste, war mir klar. Aber ich hatte sie nie kennengelernt. Zumindest erinnerte ich mich nicht an sie …

»Mein Liebling.« Die liebevolle und sanfte Stimme der Frau weckte eine Sehnsucht in mir, die ich so noch nie gespürt hatte. Wieso hörte ich sie, sah aber nichts als wabernden Nebel? »Du darfst nicht zu nah ans Meer«, ermahnte sie mich sachte. »Versprich mir, dass du dich von den Stränden und Ufern fernhältst, wenn ich nicht da bin, um dich zu beschützen.«

»Aber warum?«

Sie seufzte. »Weil es jemanden gibt, der mir böse ist für das, was ich getan habe. Und um mir wehzutun, wird sie mir dich wegnehmen. Also bitte, mein Liebling, bleib vom Wasser fort.«

»In Ordnung, Mama.«

Mama, dachte ich wehmütig. Ich wünschte, ich könnte mich an dich erinnern. Vielleicht würde ich dich wiederfinden, in einem anderen Leben.

Die Stimmen verklangen, zurück blieb nur die Wärme auf meiner Haut. Dann sickerte die Erkenntnis in mein Bewusstsein: Ich war gestorben, ertrunken, gemeinsam mit Caspian.

»Caspian«, krächzte ich und tastete um mich. Ob er mit mir ins Totenreich gekommen war? Unsere Seelen waren sicher ähnlich düster. Vielleicht konnten wir uns gemeinsam einen Weg durch die Feuer kämpfen, in denen wir geprüft wurden.

Als ich ihn nicht fand, wollte ich mich aufstützen und nach ihm suchen. Da schlangen sich zwei Arme um mich und hielten mich fest. Ächzend schlug ich um mich und traf ein Gesicht.

Caspian fluchte leise. »Wieso musst du diesen Moment zerstören?«, fragte er mit rauer Stimme.

Vor Erleichterung wollte ich lachen und weinen zugleich. Ich war nicht allein am Eingang des Totenreichs angekommen, denn Caspian war bei mir. Und wie es aussah, lag ich auf ihm.

»Verzeihung, dass ich unsere gemeinsame Reise so beginne«, scherzte ich und hoffte, er bemerkte das Beben in meiner Stimme nicht. »Aber ich dachte, du bist irgendein Ungeheuer, das mein Seelenlicht trinken will.«

Er gab ein Grunzen von sich. »Ob es das besser macht?«

»Vermutlich nicht. Aber ich bin froh, dass du hier bist.«

»Tatsächlich?« Er klang ehrlich überrascht. »Wieso? Weil du meinen Tod beweint hättest?«

»Wir können unser Ableben später gemeinsam beweinen, wenn wir das Totenreich durchquert haben.«

Caspian schwieg. »Du denkst, wir sind gestorben?«, fragte er schließlich.

»Na ja, wenn man ertrinkt, stirbt man«, erwiderte ich belustigt. »Oder denkst du, wir haben durch ein Wunder überlebt?«

Er holte tief Luft, kam jedoch nicht zu einer Antwort, denn Schritte polterten über Holz und als ich den Kopf hob, erkannte ich, dass wir auf den weißen Planken der Tempest Rage lagen. Mir war bisher kein anderes Schiff in dieser Farbe begegnet und auf keinem anderen Schiff würden Piraten wie diese auf uns zueilen. Maya führte die Crew an mit Pearl an ihrer Seite. Als sie dicht vor mir stehen blieb, sprang meine Freundin von Mayas Schulter auf meine, schlang die Arme um meinen Nacken und presste die kalte Schnauze an meine Haut.

»Den Totengöttern sei Dank«, schniefte Pearl. »Ihr lebt.«

Blinzelnd sah ich von der Crew zu Caspian unter mir. »Wie ist das möglich?«, sprach ich den ersten Gedanken aus, der mir in den Sinn kam.

»Keine Ahnung«, antwortete der Pirat ernster, als ich ihn je gesehen hatte. »Sag du es mir.«

Mein Mund klappte auf und wieder zu. Vermutlich schaute ich aus wie ein Fisch, der an Deck gespült worden war und nach Luft schnappte. Erst da fiel mir das Meer auf. Es lag vollkommen ruhig da, über uns am Himmel war die Wolkendecke aufgebrochen und präsentierte einen blauen Himmel. Wäre eines der Segel nicht in Fetzen herabgehangen und das Deck voller Seetang, hätte ich den Sturm für eine von Mayas Illusionen gehalten.

»Ich?«, brachte ich heiser hervor. »Woher soll ich das wissen?«

Einen Moment war es vollkommen still – von dem sanften Rauschen der Wellen abgesehen. Caspian hielt meinen Blick gefangen und ich starrte ihn ungläubig an. Wie kam er darauf, dass ich wusste, wie wir mit dem Leben davongekommen waren?

»Worum genau geht es?«, wollte Maya nach einer gefühlten Ewigkeit wissen. »Wieso liegt ihr an Deck, statt beim Steuer zu stehen? Habt ihr unser Überleben auf eure Weise gefeiert?«

Als mir klar wurde, wie ich auf Caspian lag – nämlich in einer sehr eindeutigen Pose –, kämpfte ich mich von ihm herunter, stemmte mich mit aller Kraft gegen das Deck und rappelte mich auf die Beine. Unsicher taumelte ich einen Schritt nach vorn und landete in Mayas Armen.

Besorgt musterte die Taryna mich. »Du siehst ziemlich mitgenommen aus«, stellte sie ernst fest. »Und du bist nass bis auf die Knochen.«

»Ja, ich … hatte sicher schon bessere Tage«, stammelte ich und sah zu Caspian.

Er ließ mich nicht aus den Augen, als wollte er in meine Gedanken blicken. Also wandte ich mich wieder Maya zu.

»Ihr seid in Ordnung?«, fragte ich.

Ein schwaches Lächeln erschien auf ihren Lippen. »Dank euch, ja. Ihr habt das Schiff davor bewahrt, zu kentern.«

Verstohlen schaute ich mich um. Ja, die Fleute lag wirklich vollkommen ruhig auf dem Wasser. Das … war doch nicht möglich. Sie hatte sich seitlich geneigt und nur deswegen waren Caspian und ich ins Meer gestürzt. Oder war das gar nicht passiert?

»Ihr solltet euch erholen«, meinte Maya fürsorglich. »Ich bringe dir gleich trockene Kleidung in deine Unterkunft. Schaffst du es allein dorthin?«

Obwohl sich meine Beine weich wie Butter anfühlten, nickte ich. Weg. Ich musste weg und einen klaren Kopf bekommen.

Mit der schniefenden Pearl an meinem Hals schleppte ich mich zur Tür und betrat die Kajüte. Nichts befand sich noch dort, wo es vorhin gestanden hatte. Sogar das Bett war verrutscht, die Kissen und Bettdecke auf dem Boden verteilt. Neben dem Schreibtisch waren die Bücher quer über den Teppich verstreut, der Kronleuchter hing schief und Caspians Kleidung lag überall im Raum.

Er würde sich auch umziehen müssen. Wieso hatte mich Maya dann hergeschickt, bevor er das getan hatte?

Schnell drehte ich mich zur Tür um und riss sie auf. Ein Schrei entschlüpfte mir, weil Caspian direkt davor stand. Als sich unsere Blicke trafen, blitzte etwas in seinen Augen auf, seine Miene blieb jedoch ungewohnt ernst.

»Maya hat mir das hier für dich gegeben«, sagte er und hob das Bündel mit Kleidung und Stiefeln an. »Darf ich reinkommen?«

Eigentlich wollte ich mich an ihm vorbeischieben, doch das Schiff knarzte und bewegte sich. Ich verlor das Gleichgewicht und stolperte rückwärts. Blitzschnell streckte Caspian seine Hand nach mir aus und verhinderte, dass ich auf meinem Hintern landete. Dabei machte er einen Schritt in den Raum. Die Tür flog zu und das Schloss klickte.

»Dieses Schiff treibt mich in den Wahnsinn mit seinem Absperrtick«, murrte ich.

Endlich schmunzelte Caspian. »Ja, es mag wohl die Vorstellung von uns beiden, allein in einem Raum mit nur einem Bett …«

»Ich bin auch hier«, meldete sich Pearl heiser zu Wort. »Ihr seid nicht allein.«

»Zu schade.« Er zwinkerte mir zu und wurde wieder ernst. »Können wir reden? Also, nachdem wir umgezogen sind?«

»Wenn du denkst, ich bin so naiv, mich umzuziehen, während du dich im Raum befindest, hast du dich geschnitten«, brummte ich.

Caspian verdrehte die Augen. »Wir kehren einander den Rücken zu, dann siehst du nicht, was dir entgeht und ich kann dich nicht betrachten. Sofern es das ist, was du willst.«

»Ist es.« Ich streckte die Hände nach der Kleidung aus.

Mit einem Schnaufen gab Caspian mir die Sachen und bewegte sich auf den Schrank zu. Dabei hob er einzelne Kleidungsstücke vom Boden auf.

»Ehrlich, du bist noch keinen Tag in meinem Zimmer und hast mehr Unordnung angerichtet, als ein Sturm es je könnte«, stichelte er.

Ich konnte nicht anders, als zu lachen. »So, wie ich es verstanden habe, tue ich dir damit doch einen Gefallen, weil du wieder alles in Ordnung bringen kannst.«

»Ach, hat Maya über meinen kleinen Ordnungswahn erzählt.« Er grinste. »Sieh es dennoch nicht als Herausforderung, noch mehr Unordnung zu stiften, ja?«

»Kann ich nicht versprechen.« Ich räusperte mich. »Liegt hier irgendwo etwas, mit dem ich mich abtrocknen kann, bevor ich in die trockenen Sachen schlüpfe?«

Caspian hob ein Tuch auf und warf es mir zu. Es sah eher aus wie ein Bettlaken als ein Handtuch, aber ich wollte nicht wählerisch sein.

Da Caspian schwieg und mir den Rücken zukehrte, tat ich dasselbe, schälte mich aus meinen nassen Sachen und wickelte mich in das Laken ein. Wohlig seufzte ich, als sich Pearl auf meinen Kopf setzte und ihn sanft massierte.

Ich konnte immer noch nicht fassen, dass wir lebten. Oder war die gesamte Crew ums Leben gekommen und wir wussten es noch nicht? Das wäre in meinen Augen wahrscheinlicher als das Wunder, das Caspian und mich gerettet hatte. Wir waren bereits tief im Wasser versunken gewesen. Wie hatten wir es an Bord der Fleute zurückgeschafft? Ohne fremde Hilfe?

»Falls du doch sehen willst, was dir entgeht, ich wäre jetzt nackt«, verkündete Caspian und riss mich aus meinen Gedanken.

Erst wollte ich es nicht, dann sah ich verstohlen über meine Schulter. Caspian stand weiterhin mit dem Rücken zu mir, allerdings hatte er wirklich keine Kleidung an. Für einen Herzschlag betrachtete ich seine definierten Muskeln. Als mein Blick über seinen Rücken zu seinem ansehnlichen Hintern glitt, kroch Hitze über meine Haut. Bevor ich den Fehler beging, zu genau hinzusehen, kniff ich die Lider zusammen und drehte mich um. Sollte ich diese Grenze überschreiten, wäre ich verloren. Caspian wartete bestimmt nur darauf, dass ich ihm erlag. Das durfte niemals passieren.

Schnell trocknete ich mich ab und schlüpfte in die Kleidung. Diesmal war die Hose dunkelbraun, die Stiefel wieder schwarz und die Tunika weiß. Statt eines Gürtels war eine schmale dunkelrote Korsage aus Samt bei den Sachen dabei. Unbeholfen legte ich sie an. Mit solchen Dingen kannte ich mich nicht aus.

»Wo habt ihr so viel Kleidung in meiner Größe herbekommen?«, fragte ich, während ich mich mit den Schnüren auf dem Rücken abmühte. Wie schafften es andere Frauen, sich ohne Hilfe da reinzuzwängen?

»Es sind Mayas Sachen«, antwortete Caspian, der so nah klang, als stünde er direkt hinter mir. »Und man schnürt diese Korsage vorne.«

Mit glühenden Wangen drehte ich mich zu ihm um. Er hatte sich für eine dunkelblaue Hose, kniehohe schwarze Lederstiefel und eine weiße Tunika, die er noch nicht gebunden hatte, entschieden. Da der Stoff so weit aufklaffte, erkannte ich die Symbole auf seiner Brust, die ich bisher nur am Hals gesehen hatte. Nautische Symbole, wie ein Kompass oder ein Sextant waren kunstvoll zwischen Mustern eingewoben. Wobei die Muster ein wenig aussahen wie alte Symbole in Gebetsbüchern der Totengötter.

»Soll ich mich doch wieder ausziehen, damit du mich besser betrachten kannst?« Caspians Stimme war tief, rau und verführerisch.

Pearl stammelte etwas, das ich nicht verstand, schwebte allerdings von meiner Schulter und verkroch sich unter der Bettdecke. Ganz toll. Wieso ließ sie mich jetzt mit Caspian allein?

Ich schluckte gegen die Trockenheit in meinem Mund an und hob den Blick, bis er auf seinen traf. Seine Augen waren glasig und voller Verlangen, als bräuchte er mich dringender als die Luft zum Atmen.

»Schicke Tätowierungen«, nuschelte ich. »Bedeuten sie etwas?«

Langsam ließ er den Atem entweichen. »Ja. Soll ich dir mit der Korsage helfen?«

»Ich bekomme das schon hin«, sagte ich schnell, drehte die Schnürung nach vorn und zerrte daran herum.

Grunzend griff Caspian nach den Bändern, fädelte sie durch die Ösen und zog sie zusammen. Mit den Fingerknöcheln strich er dabei über meinen Bauch, berührte kaum merklich meine Brust. Doch das genügte, um ein völlig unangebrachtes Feuer in meinem Inneren zu entfachen.

»War klar, dass du dich mit so etwas auskennst«, sagte ich um gar kein Gefühl wie Sehnsucht aufkommen zu lassen. »Wie vielen Frauen hast du so ein Teil ausgezogen?«

»Zu vielen, um sie zu zählen«, antwortete er und grinste. »Das wolltest du jetzt nicht hören, oder?«

»Es bestätigt nur meine Meinung von dir.«

Das Grinsen verschwand. »Wenn du so eine schlechte Meinung von mir hast, wieso hast du mich dann gerettet?«

»Ich dich? Du wolltest mich nicht ertrinken lassen, um dich selbst zu retten.«

»Ja, und ich habe meine Kräfte wohl wirklich überschätzt.«

»Sieh an, du gibst es also zu.«

»Gewöhn dich nicht daran, dass ich so etwas laut ausspreche.« Er räusperte sich. »Jedenfalls bin ich sicher, dass ich ohnmächtig war. Und wenn man in so einem Sturm das Bewusstsein verliert, ertrinkt man. Es sei denn, jemand anderes rettet einen. Wie ist dir das gelungen?«

Ich hob die Schultern. »Wenn ich ehrlich sein soll, denke ich, wir sind alle tot. Denn ich kann nicht schwimmen und bin mit dir gemeinsam untergegangen.«

»Ich kann dir versichern, dass ihr nicht tot seid«, meldete sich der Geist zu Wort.

Wie auch beim letzten Mal saß er auf einem Sessel, die Krücke neben sich angelehnt. Der einzige Unterschied war, dass dieser Sessel jetzt in den Raum gedreht stand und der Geist uns somit beobachten konnte. Ich vermied es, ihn länger als einen Atemzug lang anzustarren, sondern sah wieder zu Caspian. Der hielt immer noch die Bänder der Korsage zwischen den Fingern, obwohl er diese längst zugebunden hatte.

»Hat jemand gesehen, wie wir auf das Schiff zurückgekehrt sind?«, fragte ich.

Caspian schüttelte den Kopf, der Geist schnaubte.

»Ja, ich«, antwortete er. »Eine sanfte Welle hat euch zurück an Bord gehoben, dann hat sich der Sturm aufgelöst. Und weil du sicher wissen willst, wie das passiert ist: Ich würde sagen, deine dritte Kraft hat euch gerettet.«

»Ich glaube, du hast Magie eingesetzt«, meinte Caspian in dem Moment. »Es ist nur ein Gefühl, aber … ich habe etwas wahrgenommen. Eine Macht, die ich noch nie zuvor gespürt habe. Und ich denke, es war deine Magie.«

»Ich verfüge über keine nennenswerten Fähigkeiten«, murmelte ich.

Wieder schnaubte der Geist. »Deine Haare haben so hell geleuchtet wie ein Inferno. Ein türkises, magisches Inferno«, sagte er. »Was auch immer deine dritte Gabe ist, sie ist verdammt mächtig.«

»Du hast eine Fähigkeit, die noch nicht erwacht ist«, meinte Caspian nachdenklich. »Vielleicht ist sie ebenfalls passiv. Oder sie hat sich jetzt offenbart, weil du in Gefahr warst. Egal wie, ich denke, du hast uns gerettet.« Er räusperte sich noch einmal. »Bleibt nur die Frage, wieso du mich nicht hast sterben lassen.«

»Das wäre doch sehr herzlos gewesen, findest du nicht?«, antwortete ich lasch.

Er legte den Kopf schief. »Wäre es das?«

»Ja. Immerhin hast du mich auch nicht einfach sterben lassen. Also falls wirklich eine verborgene Macht entschieden hat, mich zu retten, wäre es doch sehr grausam gewesen, dich zurückzulassen. Oder?«

»Hm.« Für einen Wimpernschlag wanderte sein Blick zu meinen Lippen, ehe Caspian mir wieder in die Augen sah. »Es liegt also nicht daran, dass du mich in dein Herz geschlossen hast?«

Ich hob das Kinn. »Und da ist er wieder, der von sich selbst überzeugte Pirat. Wieso sollte ich dich in mein Herz schließen?«

Schmunzelnd hob Caspian die Schultern. »Weil ich anbetungswürdig bin?«

Der Geist lachte lautstark auf und ich musste mich zusammenreißen, um nicht einzustimmen. Nach und nach löste sich der Geist wieder auf und sein Lachen verklang.

»Du überschätzt dich wirklich maßlos«, tadelte ich Caspian, entzog ihm die Bänder meiner Korsage und trat einen Schritt zurück. »Willst du über noch etwas reden? Magische Meerestiere vielleicht, die uns an Bord gehievt haben? Denn das halte ich für wahrscheinlicher, als dass ich etwas damit zu tun habe.«

Caspian seufzte. »Belassen wir es erst einmal dabei, dass wir Glück hatten. Wir können später, wenn wir einander vertrauen, noch einmal darüber reden.«

»Du denkst, ich würde dir irgendwann vertrauen?«

»Ich bin ganz sicher, Flüsterin.«

»Weil?«

Er grinste schelmisch. »Weil du mir erlaubt hast, deine Korsage zu binden.«

»Aha. Interessant.«

»Sehr. Irgendwann erlaubst du mir, sie dir wieder auszuziehen.«

»Bezweifle ich.«

»Wir werden sehen.« Sein Grinsen erlosch. »Erinnerst du dich daran, was du gesagt hast, als du dachtest, wir würden ertrinken?«

»Hilf meinem Gedächtnis auf die Sprünge«, erwiderte ich, obwohl ich sehr genau wusste, worauf er anspielte. Ich hatte ihm erklärt, ein Teil seiner Crew zu werden, wenn wir überlebten. Aber da hatte ich wirklich angenommen, ich würde sterben.

Einen Moment musterte mich Caspian eindringlich, dann wandte er sich ab. »Nicht so wichtig«, meinte er. »Falls du schlafen willst, nur zu.«

Er schritt auf die Tür zu, blieb allerdings stehen, als ich ihn zurückrief.

»Was wirst du jetzt machen?«, fragte ich.

»Na ja, das Schiff hat einiges abbekommen. Ich werde die Schäden inspizieren und die Leute einteilen, damit wir wieder seetüchtig werden.«

»Kannst du … Hilfe gebrauchen?« Ich räusperte mich. »Von Pearl und mir?«

Erst zögerte Caspian, als überlegte er, ob und wie er ablehnen sollte. Dann breitete sich ein ehrliches Grinsen auf seinen Lippen aus. »Aye.«

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