Loading...
Skip to content
Readers Treasury

Kapitel 18: Kapitel Achtzehn - Secrets of the Sea - Erinnerungsdiebin

By B.E. Pfeiffer

Und da wären wir«, sagte Maya mit ihrem typischen Lächeln, als wir die Kajüte betraten.

Neben dem schmalen Bett befand sich nur eine Kommode mit einer Waschschüssel im Raum sowie ein winziger Beistelltisch mit einer Kerze darauf. Mehr Platz gab es nicht. Aber alles war sauber, das Bett frisch überzogen mit schneeweißen Laken und ein angenehmer Geruch lag in der Luft. Mein Unterschlupf in Varun war vielleicht größer gewesen, dieses Zimmer war jedoch komfortabler.

»Da wir nur wenige Crewmitglieder sind, wirst du dir dein Quartier nicht teilen müssen«, erklärte Maya. »Das ist der Vorteil von kleinen Besatzungen.«

»Mit Pearl werde ich es mir teilen.« Ich kraulte den Otter am Kinn, was meiner Freundin ein Gurren entlockte. »Aber das mache ich gerne.«

»Moment, ich habe noch etwas«, sagte Maya, hechtete durch den Gang in ein anderes Zimmer und kehrte einen Atemzug später zurück. In den Händen hielt sie ein Körbchen mit einem Kissen und einer Decke. »Für Pearl«, erklärte sie lächelnd. »Damit sie auch ein eigenes Bett hat.«

»Ohh, wie süüüüß!«, quietschte der Otter und warf sich in das Körbchen. »Und so weich. Ich freue mich.«

Ich konnte nicht anders, als zu grinsen. Pearl quietschte immer noch freudig, während sie sich trotz der Schwüle in dem Raum unter die Decke kuschelte und genüsslich ihre Wange an das Kissen schmiegte. Auch Maya schmunzelte zufrieden.

»Schön, wenn es dir gefällt«, meinte die Piratin, ehe sie mich ansah. »Wie fühlst du dich jetzt?«

»Erschöpft. Und das, obwohl ich keinerlei Magie gewirkt habe. Liegt vielleicht an den heißen Temperaturen, die ich nicht gewohnt bin.«

Ich hatte unterschätzt, wie warm es vor der Küste Scullas werden konnte. Selbst nachts war es nicht richtig abgekühlt, doch jetzt, bei Tag, brannte die Hitze förmlich und lud die feuchte Luft auf.

»Das ist so nicht richtig, ich habe Magie an dir gespürt«, murmelte Maya. »Allerdings wie unter einer Glaskuppel gefangen, nicht in der Lage, sich zu befreien. Hat dich mal jemand mit einem Bann belegt?«

Seufzend hob ich die Schultern. »Ich erinnere mich an so gut wie nichts, was vor meinem achten Lebenszyklus passiert ist. Und auch danach ist vieles verschwommen. Erst die letzten fünfzehn Zyklen sind richtig klar. In der Zeit gelang es mir nur Erinnerungen zu stehlen und Geister zu sehen. Mehr nicht.«

»Hm.« Maya legte den Kopf schief. »Das klingt, als hätte man dir auch Erinnerungen gestohlen.«

»Das habe ich mir auch schon einmal gedacht. Aber wozu?« Ich hob die Schultern höher. »Ich bezweifle, dass ich als Kind irgendetwas gewusst habe, das es wert war, gestohlen zu werden.«

Nachdenklich betrachtete Maya mich. »Wir werden schon dahinterkommen, wie wir deine Magie befreien. Jetzt solltest du dich ausruhen. Danach wartet das Deck auf dich.«

Und Caspian, fügte ich in Gedanken hinzu und schimpfte mich selbst dafür, dass ich schon wieder an ihn dachte.

»Danke für alles, Maya«, sagte ich und nahm ihr den Korb samt Pearl ab.

»Keine Ursache. Willkommen noch einmal in der Mannschaft.« Sie zwinkerte mir zu und ließ mich dann allein.

Kaum fiel die Tür hinter ihr ins Schloss, schimmerte geisterblaues Licht auf meinem Bett und Thelonius machte es sich darauf bequem.

»Dann auch von meiner Seite ein herzliches Willkommen«, meinte er und streckte mir die Hand entgegen.

»Du weißt, dass ich Geister nicht berühren kann?«, fragte ich.

Pearl hielt in der Bewegung inne, sah von mir zu der Stelle, die ich betrachtete.

»Schon mal versucht?«, stellte Thelonius die Gegenfrage.

»Unabsichtlich, aber ja.«

»Versuch es noch mal.«

Geräuschvoll ließ ich den Atem entweichen, stellte Pearls Körbchen auf dem Boden ab und hob die Hand. Kühle ging von der durchsichtigen Geisterhand aus und ein seltsames, sogartiges Gefühl erfasste mich. Als meine Fingerspitzen nur noch einen Lufthauch von Thelonius’ entfernt waren, fühlte ich tatsächlich etwas Festes auf meiner Haut. Funken stoben zwischen uns auf und für einen winzigen Moment war es, als würde ich den Geist berühren. Doch dann glitten meine Finger durch seine hindurch und alles, was ich noch wahrnahm, war die Kälte des Jenseits’.

»Interessant«, meinte der Geist und betrachtete seine Hand. »Ich habe gehofft … Aber dann ist es wohl so.«

»Was brabbelst du da?« Ich ließ mich ein Stück von ihm entfernt auf der Bettkante nieder.

Immer noch starrte er seine Finger an. »Dein Name hat mich an etwas erinnert«, murmelte er. »Etwas, das ich vergessen habe. Und ich dachte, wenn wir uns berühren, erinnere ich mich vielleicht wieder.«

Ich runzelte die Stirn. »Es tut mir leid, ich kann dir nicht folgen.«

Seufzend sah er mich an. »Ich glaube, ich kannte mal eine Frau namens Nektaria.«

»War sie dir wichtig?« Er nickte. »Vielleicht deine Tochter?«

»Nein, meine Tochter hieß …« Frustriert stieß er den Atem aus. »Ich weiß es nicht mehr. Irgendwie verschwinden die Erinnerungen an meine Zeit unter den Lebenden immer mehr. Ich könnte dir noch nicht einmal mehr sagen, wie meine Frau oder meine Tochter ausgesehen haben. Nur, dass sie die bezauberndsten Wesen aller Sieben Reiche waren.«

Eine seltsame Wärme breitete sich in meiner Brust aus. Thelonius war wie Caspian ein Pirat, der nicht raffgierig wirkte. So wie er von seiner Familie sprach, nahm ich an, dass er sie sehr geliebt hatte.

»Tut mir leid, dass ich dir nicht helfen konnte«, sagte ich aufrichtig.

»Ach, schon in Ordnung.« Er machte eine wegwerfende Geste. »Entweder komme ich dahinter oder ich vergesse es ohnehin wieder.« Ein schiefes Grinsen umspielte sein faltiges Gesicht. »Bist du schon nervös wegen deines Abendessens mit dem Captain?«

»Wenn du jetzt darauf anspielst, dass Caspian und ich uns am Abend die Kleidung vom Leib reißen werden – das wird nicht passieren.«

»Wenn es an mir liegt, ich werde den Abend mit Maya verbringen«, mischte sich Pearl ein. Sie hatte zwar nicht gehört, was Thelonius gesagt hatte, aber meine Worte natürlich schon.

»Was?« Ich blinzelte. »Fang du nicht auch an. Es genügt, wenn ein Geist versucht, mir einzureden, dass der Captain und ich bald unsere Finger nicht mehr voneinander lassen können. Du kannst also gern mit mir zu diesem Abendessen gehen.«

Pearl bewegte den Mund und ihre Schnurrhaare zitterten. »Ich glaube, ich werde trotzdem mit Maya essen, damit du und Caspian ungestört seid.«

Ich verdrehte die Augen, dann sah ich Thelonius vorwurfsvoll an. Der grinste nur, bevor er sich auflöste.

Seufzend ließ ich mich auf das Bett sinken. Es war nicht so weich wie jenes in Caspians Quartier, aber es war so viel mehr, als ich je besessen hatte. In Varun hatte ich mir keinen Luxus gegönnt. In dem Viertel, in dem Pearl und ich gelebt hatten, fiel es zu sehr auf, wenn man neue Matratzen und Möbel anschleppte. Und ich wollte nicht auffallen, deswegen bestand mein Nachtlager aus alten Decken und Fellen.

Ich hatte mich auch nie so sicher gefühlt wie an Bord dieses Schiffs. Vermutlich lag es daran, dass sich meine Augen langsam schlossen und ich in einen tiefen, traumlosen Schlaf glitt, während die Fleute leise knarrend das Meer durchpflügte.

Ächzend wischte ich mir mit dem Handrücken über die Stirn, tauchte die Bürste in den Eimer, um sie zu säubern und holte sie dann wieder heraus. Die Sonne brannte unbarmherzig auf mich herab, ließ Schweiß über meine Stirn und meinen Rücken fließen. Statt eines Wischmopps hatte Maya mir einen Eimer und zwei Bürsten überreicht, mir gezeigt, wie ich mich richtig hinkniete, das Holz in kreisenden Bewegungen säuberte und mich mit Pearl allein gelassen. Der Otter gab sein Bestes, aber das Deck war unglaublich groß – und schmutziger, als ich erwartet hatte.

Meine langen Haare hatte ich mir längst hochgesteckt, weil ich die Hitze darunter sonst nie ertragen hätte. Wenn ich von jetzt an täglich das Deck schrubben musste, würde ich mir etwas überlegen müssen, um weniger Kraft zu brauchen. Meine Arme brannten bereits wie Feuer, die Knie schmerzten von der hockenden Haltung, die ich eingenommen hatte. Und ein Ende war noch lange nicht in Sicht.

Verstohlen sah ich mich zu den anderen Piraten um. Ceto befand sich mit Maya in der Takelage. Ich hatte keine Ahnung, was sie dort machten, vermutlich hatte es etwas mit den Segeln zu tun. Farah hatte den Platz im Krähennest eingenommen. Caspian stand am Steuer und warf ständig einen Blick auf den Kompass in seiner Hand. Die restlichen Piraten schienen unter Deck mit Aufgaben beschäftigt zu sein. Ich war froh, dass sich Alek nicht in der Nähe befand. Seine feindseligen Blicke konnte ich jetzt nicht gebrauchen.

Als ich seufzend die Bürste erneut auswusch und anschließend wieder aus dem Eimer zog, spritzte Wasser über den Rand - genau auf ein Paar Schuhe.

»Oh, entschuldige, ich …« Die Worte erstarben auf meiner Zunge, als ich in Arams finsteres Gesicht sah.

Geräuschvoll schluckte ich und wich ein wenig vor ihm zurück. Er war ein Hüne von einem Mann und seine Miene so furchteinflößend wie die Vorstellung, als Taryna in Varun gefangen genommen zu werden.

»Es … tut mir leid, ich wusste nicht, dass du da bist«, stammelte ich. »Wenn du möchtest, mache ich die Schuhe wieder sauber, und …«

Als er sich zu mir hinabbeugte, verstummte ich und überlegte, was ich tun sollte, falls Aram mir eine verpassen wollte. Ausweichen? Mich wehren? Bisher hatte ich auf dem Schiff keine Rangeleien gesehen, aber vielleicht hatten sich Aram oder Alek zurückgehalten, weil Caspian sie darum gebeten hatte, und jetzt …

Ich keuchte, denn Aram griff nach der Bürste, warf sich auf die Knie und begann zu schrubben. Mit großen Augen starrte ich ihn an.

»Was … Wieso hilfst du mir?«, fragte ich verwirrt.

»Das ist seine Art, dich willkommen zu heißen«, erklärte Ceto, der sich geräuschlos genähert hatte. »Aram will dir helfen, weil du aussiehst, als würdest du gleich umkippen.«

»Was bei der Hitze kein Wunder ist«, kommentierte Maya und hielt mir einen Becher hin. »Trink etwas, du siehst wirklich blass aus.«

Verdutzt nahm ich das Gefäß und setzte es an meine Lippen, um mir einen tiefen Schluck zu gönnen. Die kühle Flüssigkeit tat meiner vor Hitze ausgedörrten Kehle wirklich gut.

»Danke«, murmelte ich. »Euch allen.«

Aram brummte nur wie üblich und schrubbte das Deck, als würde sein Leben davon abhängen.

»Ich glaube, er mag dich«, flüsterte Ceto mir ins Ohr. »Mir hat er nicht so schnell geholfen, als ich zum ersten Mal das Deck säubern musste.«

»Was daran liegt, dass es damals nicht so heiß war wie heute«, meinte Maya.

»Möglich.« Ceto schenkte ihr ein Lächeln und entblößte dabei seine Zahnlücke. »Oder er hat einfach eine Schwäche für Nektaria, weil sie so geheimnisvoll ist.«

»Ihr seid alle geheimnisvoll«, hielt ich dagegen.

»Na ja, ich bin eher langweilig«, erwiderte Ceto frech grinsend. »Meine Geschichte ist nicht so spektakulär und meine Fähigkeiten auch nicht. Aber das ist schon in Ordnung, es muss auch graue Mäuse geben.«

Mir fiel keine Erwiderung ein, zum Glück lockerte Maya die Stimmung mit ihrem Lachen auf.

»Du versuchst immer, dein Licht zu dämpfen«, gluckste sie. »Ich kenne nämlich niemanden, der so schnell klettern kann wie du oder so gut mit dem Degen umgeht.« Sie zwinkerte mir zu. »Wenn du also neue Tricks im Schwertkampf lernen willst, ist Ceto dein Mann.«

»Ich stehe jederzeit für einen Übungskampf zur Verfügung«, meinte er gut gelaunt.

»Fein, aber jetzt schrubben wir das Deck«, verkündete Maya.

»Das ist doch meine Aufgabe«, sagte ich.

Maya zwinkerte. »Ja, aber du hast bewiesen, dass du es ernst meinst. Nun helfen wir, sonst schaffst du es nicht bis zum Essen mit dem Captain.«

Ich schluckte und sah verstohlen zu Caspian, der immer noch den Kompass begutachtete.

»Wenn ihr mir alle helft, wird das wohl nicht stattfinden«, sprach ich meine Gedanken aus. Immerhin kam ich meinen Aufgaben nicht nach, da verdiente ich vielleicht kein Essen.

»Doch, wird es«, widersprach Maya sanft. »Also, lass uns helfen, damit du dich noch etwas frisch machen kannst. In verschwitzter Kleidung willst du nicht beim Essen sitzen.«

»Ich habe doch keine andere Kleidung als …«

»Wir haben dir etwas in dein Zimmer gebracht«, unterbrach Maya mich. »Und sobald wir wieder einen Hafen erreichen, wird Caspian bestimmt erlauben, dass wir für dich neue Kleidung kaufen.«

»Ich habe nur kein Gold dafür«, warf ich ein.

Sie machte eine wegwerfende Handbewegung. »Wir leihen dir inzwischen etwas.«

Da sowohl Maya als auch Ceto eine Bürste holten, nahm ich jene von Pearl und behielt meine Gedanken für mich. Ich war viel zu überwältigt von dem Vertrauen und der Verbundenheit, die diese Piraten mir bereits entgegenbrachten. Also schwieg ich und war einfach nur dankbar, zum ersten Mal in meinem Leben Teil einer Gemeinschaft zu sein.

Nervös strich ich über die Tunika, die ganz oben auf dem Stapel Kleidung gelegen hatte. Ich hatte sie einfach genommen und angezogen, nachdem ich meinen Körper mit Wasser und Seife gewaschen hatte. Dass sie schulterfrei war, hatte ich erst bemerkt, als ich versucht hatte, die Ärmel zu richten. Da Maya bereits in der Tür stand, um mich zu Caspian zu bringen, konnte ich mich nicht mehr umziehen. Irgendwie war es mir unangenehm, dass ich etwas Schulterfreies trug, also drapierte ich meine Haare über die nackte Haut und hoffte, ich sah nicht aus, als wollte ich Caspian verführen. Denn das war das Letzte, was mir vorschwebte, egal, wie lebhaft ich den Traum von letzter Nacht wieder vor Augen hatte. Außerdem war ich neugierig, welche Ideen Caspian vorschwebten, um gefahrlos ins Schloss zu gelangen. Schließlich wollte er meine Hilfe, um eine Erinnerung zu stehlen.

»Du siehst sehr hübsch aus«, meinte Maya, als ich aus meinem Zimmer trat.

»Ja, nicht wahr? Sie ist ausgesprochen hübsch«, pflichtete Pearl ihr bei und schwebte zwischen uns herum.

Ich räusperte mich und zupfte wieder an der Tunika. Diesmal hatte ich auf einen Gürtel oder eine Corsage verzichtet, dafür trug ich einen Rock und Kniehosen darunter sowie hohe Stiefel. Ich wollte es eher schlicht halten, doch das Oberteil ruinierte diesen Plan.

»Dann wollen wir den Captain nicht warten lassen.« Maya setzte sich in Bewegung.

Pearl schwebte ihr hinterher und ich folgte ihr nach kurzem Zögern. Wieso ich so nervös war, wusste ich selbst nicht. Caspian würde mir seinen Plan verraten, dann würde ich entscheiden, ob ich bereit war, das Risiko, das er mit sich brachte, einzugehen. Wenn nicht würde er mich nicht über Bord werfen. Zumindest hoffte ich das. Lag meine Anspannung daran, dass ich befürchtete, er würde mich doch nicht als Mitglied seiner Crew behalten wollen, wenn ich ihm nicht helfen wollte?

Vermutlich.

Als wir die Tür zu Caspians Quartier erreicht hatten, waren meine Hände schweißnass vor Aufregung. Maya klopfte und öffnete für mich. Ich trat ein und mein Herz stolperte bei Caspians Anblick.

Den Gehrock hatte er abgelegt, stand mit einem weißen Hemd an seinem Schreibtisch. Da es immer noch unerträglich schwül war, hatte er die Ärmel hochgekrempelt und entblößten seine muskulösen Unterarme, die obersten Knöpfe hatte er geöffnet, sodass ich die Tätowierungen auf seiner Brust und seinem Hals gut sehen konnte. Ehe ich dazu kam, das Muster zu betrachten, richtete sich Caspian auf.

Seine Augen weiteten sich und einen Wimpernschlag klappte sein Mund auf. Schnell senkte ich den Blick und spielte mit einer Haarsträhne, damit ich den Captain nicht anstarrte.

»Ich bringe das Essen in ein paar Augenblicken«, verkündete Maya.

»Danke«, sagte Caspian mit rauer Stimme.

Maya pfiff vergnügt, schloss die Tür und ließ mich mit Caspian allein. Denn wie angekündigt war Pearl mit der Piratin gegangen.

Caspians Schritte erklangen gedämpft auf dem Teppich. Sein Duft nach würzigem Holz und der salzigen Meeresluft drang in meine Nase, ließ Gänsehaut auf meinem Körper erblühen. Ich war nicht gänzlich unerfahren im Umgang mit Männern, aber das mit Caspian war dennoch anders als alles, was ich bisher erlebt hatte.

Als Caspian vor mir stehen blieb und seine Stiefelspitzen in meinem Blickfeld erschienen, ermahnte ich mich, Stärke zu zeigen. Ich holte tief Luft und sah auf – und bereute es sofort.

Im Licht des Kronleuchters schimmerten Caspians Augen wie ein Sternenhimmel. Sie wirkten dunkler als sonst, mysteriöser.

»Darf ich dir ein Glas Wein anbieten, bis Maya mit dem Essen zurück ist?«, fragte er mich mit dieser sinnlichen, tiefen Stimme.

Die Gänsehaut auf meinem Körper wurde noch intensiver. Ich musste antworten, aber aus irgendeinem Grund hatte ich plötzlich die Frage vergessen.

Räuspernd befeuchtete ich meine Lippen. Caspians Blick wanderte sofort dorthin und der Ausdruck in seinen Augen veränderte sich. Hatte ich etwas falsch gemacht?

Unsicher setzte ich zu einer Antwort an. Da knarzte das Holz und im nächsten Moment kippte das Schiff zur Seite. Ich verlor das Gleichgewicht, ruderte mit den Armen und Caspian griff nach mir. Das Schiff knarzte noch einmal und lehnte sich zur anderen Seite. Fluchend zog mich Caspian an sich und wir taumelten gemeinsam einen Schritt zurück, sodass ich rücklings gegen die Tür stolperte. Mit der freien Hand stützte sich Caspian gegen das Holz, versperrte mir den Fluchtweg.

Unsere Blicke trafen aufeinander und für einen Herzschlag stand die Welt still. Alles, was ich wahrnahm, war Caspian, seine Nähe und das angenehme Gefühl seines Atems auf meiner Haut.

Wieder betrachtete er meine Lippen und ich schluckte, als er seinen Kopf ein Stück senkte, den Abstand zwischen uns verringerte. Das war keine gute Idee. Ich wusste es. Vernünftig wäre es, mein Gesicht abzuwenden und gar nicht erst über einen Kuss nachzudenken. Aber vielleicht hatte Thelonius recht, dass Piraten nie vernünftig waren. Denn ich tat genau das Gegenteil von dem, was ich tun sollte, hob mein Gesicht an und streckte mich Caspian entgegen.

Loading reader...