Kapitel 5: Kapitel Fünf - Secrets of the Sea - Erinnerungsdiebin
By B.E. Pfeiffer
Die Klinge an meinem Hals zitterte, der Wachmann ließ sie jedoch nicht sinken, sondern ritzte mir damit oberflächlich in die Haut.
»Ich zähle bis drei«, sagte Caspian. »Eins …«
»Ihr … werdet nicht entkommen«, stotterte der Wachmann. »Wir sind vierzehn und ihr seid zwei.«
»Dreizehn, weil meine Partnerin hier einen von euch ausgeschaltet hat«, erwiderte Caspian. »Abgesehen davon, ist dir etwas aufgefallen?«
Ich hielt den Atem an und lauschte, denn der Nebel versperrte mir die Sicht. Kein Geräusch war zu hören. Gerade eben noch hatten die Männer der Stadtwache laut gerufen, jetzt schwiegen sie. Was war hier los?
»Was soll mir aufgefallen sein?«, fragte der Wächter.
»Ich weiß nicht. Vielleicht, dass es vollkommen still ist?« Caspian klang, als würde er grinsen. »Denkst du, ich stelle mich der Stadtwache vollkommen allein? Ich habe meine Crew hier, und die hat den Nebel ausgenutzt, um alle anderen auszuschalten. Fehlst nur noch du. Ist eine Taryna wirklich dein Leben wert?«
In dem Moment, da er es sagte, wusste ich, er hatte die falschen Worte gewählt. Der Wachmann verstärkte den Druck der Klinge an meiner Kehle.
»Eine Taryna nicht, aber sie zu töten schon«, sagte er.
Ich biss mir auf die Unterlippe, bis ich Blut schmeckte, hoffte, dass zumindest Pearl freikommen würde. Ehe die Klinge tiefer in meine Haut schneiden konnte, erklang ein Schuss. Das Messer schabte über meinen Kehlkopf, hinterließ ein Brennen. Dann fiel es klirrend zu Boden, gemeinsam mit dem Mann, der es gehalten hatte.
Keuchend drehte ich den Kopf, da umfasste Caspian mein Kinn. »Das willst du lieber nicht sehen«, sagte er und zwang mich, ihn anzuschauen. Erst war seine Miene ernst, dann breitete sich ein Schmunzeln auf seinen Lippen aus.
»Was?«, fragte ich barsch.
»Nichts, ich bin nur froh, dass hinter deiner Maske ein so bezauberndes Gesicht verborgen gewesen ist.«
»Spar dir das. Wo ist Pearl?«
Er hob eine Augenbraue und spitzte die Lippen. Ehrlich, das sollte ihm verboten werden. »Du meinst deinen Otter-Familiar?«
»Nenn sie nicht so, sie ist eine Freundin«, blaffte ich ihn an.
»Okay. Deiner Freundin geht es gut, wir haben sie in Sicherheit gebracht. Das werde ich mit dir jetzt auch machen, denn die Illusion wird bald in sich zusammenbrechen.«
»Welche Illusion?«
»Die, dank der du für die anderen Wächter regungslos in den Armen des Wachmanns hängst. Mal im Ernst, musstest du eine Rauchbombe werfen? Das hat es mir wirklich schwer gemacht, zu deiner Rettung zu eilen.«
»Ich bin nicht so naiv, dich für meinen selbstlosen Retter zu halten.«
»Von selbstlos habe ich auch nichts gesagt, denn ich habe dir ein weiteres Angebot zu unterbreiten.« Er zwinkerte. »Aber dazu später mehr. Ich würde es gern vermeiden, noch mehr Blut zu vergießen. Wenn du jetzt also mit mir kommen würdest …«
Er wollte meinen Arm umfassen, doch ich wich zurück. »Erst sagst du mir, welche Illusion du erschaffen hast und wie dir das gelungen ist. Bist du auch ein Taryn? Hast du einem seine Kräfte gestohlen? Oder …«
»Flüsterin«, sagte er und der Name klang aus seinem Mund wie ein sündiges Versprechen. »Ich beantworte dir gern alles, was du willst, sobald wir auf meinem Schiff sind.«
Wie eine frostige Klaue presste Angst mein Herz zusammen. »Ich gehe nicht auf dein Schiff«, stammelte ich.
»Du hast mein Wort, dass ich dich jederzeit wieder gehen lasse, wenn du das möchtest.«
»Darum geht es nicht. Ich … betrete keine Schiffe. Niemals.«
Jetzt wanderte die zweite Augenbraue hoch. »Du willst mir nicht sagen, dass du dich weigerst, mit mir zu gehen, weil dir auf Schiffen übel wird, oder?«
Ich schluckte. Wie sollte ich ihm erklären, dass ich mich an so gut wie nichts erinnerte, was vor meinem achten Lebenszyklus geschehen war? Nur daran, dass ich dem Wasser nicht nahe kommen sollte. Es gab keinen logischen Grund für diese Angst. Dennoch lähmte mich allein der Gedanke, auf ein Schiff zu steigen.
»Weil es da bestimmt fürchterlich riecht und das meine Übelkeit verschlimmert«, stieß ich aus.
Caspian verdrehte die Augen. »Vergebt mir, Hochwohlgeborene, aber mein Schiff ist blank geschrubbt und sauber.«
»Na, ob ich das glauben soll …«
Etwas knirschte. Caspian fluchte und ehe ich wusste, wie mir geschah, warf er mich über seine Schulter und rannte los.
»Verdammt, lass mich runter!«, fauchte ich.
»Willst du wirklich lieber in ein Gefängnis des Königs geworfen werden, als mit mir zu reden?« Er schnappte vor Anstrengung nach Luft. »Das kratzt ganz schön an meinem Ego.«
»Ich vertraue dir einfach nicht. Vielleicht hast du das alles inszeniert, um mich auf deine Seite zu bringen. Weil du das als Gegenleistung für meine Rettung forderst.«
Er lachte, aber es klang zornig. »Du hast wohl wirklich nur schlechte Erfahrungen mit Menschen gemacht, was, Flüsterin? Wenn das deine Sorge ist, nehme ich sie dir. Ich stelle deine Rettung nicht in Rechnung.«
»Schwöre es.«
»Ich schwöre es bei meinem Leben. Zufrieden?«
Ich nickte, bis mir klar wurde, dass er das nicht sehen konnte. »Ja, jetzt lass mich runter.«
»Keine Zeit, die Illusion ist bereits zerbrochen und ich fürchte, wir haben Spuren hinterlassen.«
Kaum ausgesprochen, erklangen wütende Rufe. Ich konnte nur hoffen, dass Caspian die Wahrheit gesagt und Pearl in Sicherheit gebracht hatte. Sonst wäre sie jetzt verloren.
Ein Schuss zerriss die Luft und ein Fass, nur wenige Schritte hinter uns, zerbarst von der Kugel, die darin einschlug. Gluckernde Laute vermischten sich mit den Rufen.
»Bei den Totengöttern«, wisperte ich.
Caspian rannte wortlos weiter durch die Nacht, vorbei an den Docks mit ihren Booten und Schiffen. Gedanklich flehte ich, dass er wirklich die Wahrheit gesagt hatte, es tatsächlich ein einundzwanzigstes Dock gab, das nur er finden konnte. Denn direkt hinter seinen Stiefeln schlug eine weitere Kugel ein. Ich hätte nicht so lange mit ihm diskutieren dürfen.
Der Nebel auf dem Boden wurde zumindest immer dichter. Vielleicht würde er uns helfen, zu entkommen. Aber wenn die Stadtwache uns folgte und es kein weiteres Dock gab, saßen wir in der Falle. Am Ende des Stegs ragte eine steile Felswand auf, die man unmöglich hochklettern konnte, und von ein paar Fässern abgesehen gab es kein Versteck. Wir hätten nur ins Wasser springen können, doch ich war nicht sicher, ob ich dazu in der Lage war – selbst wenn mein Leben davon abhing.
»Falls du wirklich über Magie verfügst, wäre jetzt der perfekte Zeitpunkt, sie einzusetzen«, ächzte ich.
Wir waren an Dock neunzehn angekommen und ich bezweifelte, dass gleich wirklich ein Wunder geschehen würde.
»Geduld, Flüsterin. Der Zauber wird sich gleich entfalten«, erwiderte Caspian atemlos.
Direkt neben meinem Kopf schlug eine Kugel in einem Fass ein, ließ das Holz bersten.
Ich kniff die Augen zusammen, um mir keinen Splitter einzufangen.
»Wenigstens zielen sie schlecht«, sagte ich.
Caspian lachte auf. »Selbst in dieser Situation bewahrst du deinen Humor. Gefällt mir.«
Eine Erwiderung ersparte ich mir. Dock zwanzig zog in dem Moment an uns vorbei und noch konnte ich keine Magie fühlen und die verdammte Felswand kam immer näher. Unbeirrt rannte Caspian weiter, tiefer in den Nebel, der sich um uns schloss wie ein Vorhang. Langsam meinte ich, ein Pulsieren zu spüren, dann ein Gefühl, als würde sich die Luft um uns herum zusammenziehen wie gespannte Saiten kurz vorm Reißen. Ich wartete auf einen Aufprall – doch er kam nicht. Die Rufe der Stadtwache verstummten, die Schüsse blieben aus. Überhaupt schien sich alles verändert zu haben. Die Luft war weniger kühl, dafür feuchter.
Um Atem ringend blieb Caspian stehen, setzte mich ab und umfasste mein Handgelenk.
»Von hier an kannst du allein gehen, wir müssten sicher sein«, keuchte er.
»Müssten? Das klingt, als wüsstest du es nicht mit Sicherheit.«
Seine Mundwinkel hoben sich. »Ich bin zu neunzig Prozent sicher, dass wir außer Gefahr sind.«
Eine neunzigprozentige Chance war deutlich höher als die, die ich mir ausgerechnet hatte, um Pearl und mich ohne Hilfe zu retten.
»Wo ist meine Freundin?«, fragte ich, als sich Caspian in Bewegung setzte und mich mit sich zog.
»Sie wartet auf dem Schiff.«
»Im Ernst, Caspian. Wir sind an Dock zwanzig vorbeigelaufen. Es wundert mich, dass wir noch nicht gegen die Felswand gerannt sind. Wo soll hier ein Schiff sein?«
Er zwinkerte mir zu. »Einen Moment Geduld noch, bitte.«
Theatralisch hob er den freien Arm und streckte ihn nach vorn aus. Immer noch konnte ich keinerlei Magie fühlen, obwohl ich darauf achtete. Genauso, wie auf jedes Geräusch. Nur, weil die Stadtwache nicht zu hören war, hieß das nicht, dass sie sich im Nebel aufgelöst hatten. Oder … doch?
»Zeige dich«, forderte Caspian.
Als nichts geschah, wollte ich gerade die Augen verdrehen, da zog sich der Nebel vor uns zurück wie ein Theatervorhang. Mein Atem stockte, denn vor mir erschien nicht nur ein weiterer Steg, sondern auch ein Schiff, das etwa hundert Meter vom Ufer entfernt vor Anker lag. Eine Fleute, um genau zu sein. Diese wendigen Handelsschiffe waren nicht nur bei den Händlern Lovrils beliebt, sondern auch bei den Piraten. Mit ihren drei Masten, den schmalen Segeln und dem großen Laderaum waren sie ideal, um die Meere schnell zu überqueren und Beute zu lagern. Angeblich brauchte man nur eine Handvoll Seeleute, um sie zu manövrieren. Was diese Fleute von anderen unterschied, die ich im Hafen gesehen hatte, war, dass sie strahlend weiß gestrichen war; eine extrem unübliche Farbe für ein Piratenschiff.
»Sie ist ein Prachtstück, nicht wahr?« Caspian schmunzelte breit. »Und sie ist real. Erlaube mir, dich an Bord zu bringen.«
Ich warf einen Blick über die Schulter, zurück zu dem Nebel, der sich hinter uns dichter als zuvor schloss. Wenn Pearl wirklich an Bord war, durfte ich sie nicht allein lassen. Abgesehen davon wusste ich nicht, ob ich mich unbemerkt an der Stadtwache vorbeischleichen konnte. Sie würden vermutlich nicht einfach abziehen, ohne nicht gründlich nach mir gesucht zu haben.
»Ich habe dein Wort, dass du mich nicht einsperrst oder festhältst?«, fragte ich und sah zu Caspian zurück.
Er hielt mir die Hand hin. »Mein Ehrenwort.«
»Und du forderst auch nicht, dass ich deinen Auftrag annehme, als Entlohnung dafür, dass du mir zu Hilfe gekommen bist?«
»Auch darauf bekommst du mein Wort. Aber ich hoffe, du hörst dir dennoch an, was ich dir zu bieten habe. Wenn es dir nicht zusagt, wird es mir ein Vergnügen sein, dich wieder an Land zu bringen.«
Ich schluckte gegen die Enge in meiner Kehle an. Ich würde in ein Boot steigen müssen, mit dem wir zum Schiff gelangten. Das Meer wäre mir so nahe wie nie zuvor. Tiefe Angst ließ mich zittern.
»Fürchtest du dich vor Piraten?«, fragte Caspian amüsiert. »Das hätte ich nicht erwartet.«
»Mir ist nur kalt«, log ich schnell und reckte das Kinn. »Dann bring mich auf den Kahn, erzähl mir, was du mir zu erzählen hast, aber erwarte nicht, dass ich aus Dankbarkeit leichtsinnig werde.«
»Schön, wenn das geklärt wäre …« Er deutete mit einer ausladenden Geste auf den Steg.
Obwohl ich immer noch zitterte, setzte ich mich in Bewegung, versuchte, meine aufkeimende Panik zu unterdrücken. Es gab keinen realen Grund, das Wasser zu fürchten. Caspian war bestimmt ein erfahrener Seemann, wusste, wie er die Nussschale von Boot auf das Meer hinaus rudern musste, damit wir sicher beim Schiff ankamen. Und ein Schiff war nichts anderes, als ein Haus auf den schwimmenden Straßen Varuns. In solche war ich mehr als einmal eingebrochen. Es würde also alles gut werden.
Trotz meiner Versuche, mir Mut zuzusprechen, zitterten meine Hände, als ich mich auf die Leiter schwang und zu dem vertäuten Boot hinabstieg. Caspian folgte mir, bemerkte hoffentlich nichts von meiner Angst.
Noch ehe mein Fuß das Boot berührte, hörte ich ein Flüstern. Stimmen, die in einer mir fremden Sprache wild durcheinander wisperten, drangen an mein Ohr. In meinen Gedanken breitete sich eine alles umfassende Schwärze aus, in der ein verschwommenes Bild auftauchte. Es waren lediglich Farbkleckse, aber sie brachten Worte mit sich, die ich verstand, als wären sie eine tief verschüttete Erinnerung.
»Du darfst niemals das Meerwasser berühren, wenn ich nicht bei dir bin, Nektaria. Verstehst du das?«
Die Stimme kam mir bekannt und fremd zugleich vor. Sie verschwand genauso wie die Farbkleckse in der Dunkelheit meiner Erinnerungen. Das Flüstern der Stimmen aber nahm ich noch wahr.
»Was ist?«, fragte Caspian. »Steig in das Boot, damit wir von hier wegkommen. Ich weiß nicht, wie viel Zeit uns bleibt, bevor die Stadtwachen zufällig den Eingang in diese Illusion finden.«
Blinzelnd holte ich Luft, setzte den Fuß ins Boot und schrie auf, als es zu taumeln begann.
Caspian fluchte, schwang sich an mir vorbei und stellte seinen Fuß neben meinen. Er fixierte das Boot, sodass es nicht mehr schwankte. Nur die Wellen, die es umspielten, bewegten es leicht.
»Für eine meisterhafte Diebin stellst du dich mit Booten ziemlich ungeschickt an«, stichelte Caspian.
»Wie gesagt, ich vermeide es, Boote zu benutzen.«
Er runzelte die Stirn. »Aber damit kann man in Varun am schnellsten jeden Ort erreichen. Das sollte für dich doch nützlich sein.«
Um ihm nicht zustimmen zu müssen, nahm ich all meinen Mut zusammen, ließ die Leiter los und plumpste in das Boot. Wieder schaukelte es heftig, bis Caspian es unter Kontrolle brachte.
»Ich würde mal behaupten, du bist wegen des Verlaufs dieser Nacht aufgewühlt«, sagte der Pirat, stieg ins Boot und griff nach den Rudern. »Deswegen darfst du mich dabei bewundern, wie ich uns sicher zu meinem Schiff bringe. Genieß die kurze Fahrt und das Spiel meiner Muskeln.«
»Die man nicht sehen kann, weil sie unter deiner Kleidung verborgen sind«, erwiderte ich.
Er lachte. »Meine Kleidung liegt eng genug an, dass du alles zu sehen bekommst. Hoffentlich bist du danach nicht sprachlos, weil es dich so beeindruckt.«
Ich verdrehte die Augen. »Wirkt diese Art von Charme bei anderen Frauen?«
Mit einem Zwinkern bejahte er, löste die Taue und stieß uns mit dem Fuß vom Steg ab. Erst schipperte das Boot ein wenig dahin, dann ruderte Caspian los.
Ich vermied es, ihn anzusehen. Denn ja, seine Kleidung saß eng genug, dass man selbst im düsteren Licht des anbrechenden Morgens erkennen konnte, dass er definierte Muskeln besaß.
Um mich zu beschäftigen, nahm ich meine bunten Haare zusammen, band sie zu einem Zopf und fixierte sie mit ein paar Nadeln an meinem Hinterkopf. Dann holte ich meine Ersatzperücke, die ich immer bei mir trug, aus dem Beutel, und setzte sie auf.
»Wieso versteckst du die Haare?«, fragte Caspian und hielt in der Ruderbewegung inne. »Ich weiß doch längst, dass du eine Taryna bist.«
»Ich zeige diesen Umstand allerdings nur ungern«, antwortete ich gereizt.
»Nun, meine Crew weiß es auch.«
»Das ändert für mich nichts. Ohne diese Perücke fühle ich mich … nackt.«
Ein freches Schmunzeln stahl sich auf seine Lippen. »Und wie fühlst du dich, wenn du wirklich nackt bist?«
Ich schenkte ihm ein gespielt zuckersüßes Lächeln, klimperte mit den Wimpern und beugte mich zu ihm. »Das wirst du nie herausfinden.«
Sein Lachen löste zumindest ein wenig meiner Anspannung, die sich in mir eingenistet hatte. Überhaupt beruhigte mich Caspians Anwesenheit. Das war gefährlich. Ich wurde unaufmerksam, weil mir ein gut aussehender Pirat schöne Augen machte. Dabei spielte er sicher nur mit mir, weil er etwas von mir wollte.
»Mir gefallen deine bunten Haare«, meinte Caspian unvermittelt. »Sie stehen dir viel besser als diese langweilige Perücke. Lassen deine grünen Augen heller strahlen und dein Gesicht noch bezaubernder aussehen.«
»Du musst mir keinen Honig ums Maul schmieren, ich habe bereits zugestimmt, dich anzuhören.«
»Und wenn ich die Wahrheit sage?« Er zwinkerte noch einmal. »Ich finde dich hübsch. Etwas vorlaut, aber hübsch.«
»Soll ich jetzt gleichfalls sagen?«
Sein Lachen ließ den Rest meiner Anspannung verfliegen. »Nur, wenn du das auch so meinst.«
»Vorlaut trifft auf jeden Fall zu. Frech auch. Bei hübsch bin ich unsicher, das liegt wohl im Auge des Betrachters. Aber so selbstverliebt, wie du bist, findest du dich definitiv attraktiv.«
»Und wie siehst du das?«, fragte er unumwunden.
Ich zwang mich, seinem Blick standzuhalten. Als ich den Mund öffnete, verblasste Caspians Schmunzeln, obwohl ich noch nichts gesagt hatte. Um das Boot stiegen Blasen auf, erst nur kleine, doch sie wuchsen so schnell heran, dass sie unser Gefährt durchschüttelten.
»Was immer du tust«, sagte Caspian, legte die Ruder ab und zog seine Pistolen, »lass dich nicht unter Wasser ziehen.«
Bevor ich fragen konnte, was er meinte, schoss eine Fontäne direkt neben dem Bug hoch und enthüllte ein Wesen, das mir das Blut in den Adern gefrieren ließ.