Kapitel 23 - New Memories
By Lilly Lucas
Danke fürs Heimfahren«, sagte ich zu Jack, als wir am Leaf angekommen waren. »Und für den schönen Abend.«
»Wir haben uns sehr gefreut, dich bei uns zu haben, Lena. Vielleicht klappt es ja noch mal, bevor du wieder fliegst. Je nachdem, wie verplant du bist, natürlich.«
»Abgesehen von der Sache mit der Scheune bin ich eigentlich gar nicht verplant, und damit sind wir so gut wie fertig. Ich hab Liam auch vorgeschlagen, was mit ihm zu unternehmen, aber … er hatte nicht so Lust.«
Jack runzelte die Stirn. »Hat er das gesagt?«
»Mehr oder weniger.«
»Das kann ich mir gar nicht vorstellen. Er hat so oft nach dir gefragt in den letzten Jahren.«
»Ja?«, stieß ich hervor.
»Es hat ihm zugesetzt, dass ihr beide plötzlich weg wart.«
»Wir beide?«
»Na ja, seit du Green Valley verlassen hast, sehen wir auch nicht mehr viel von Ryan. Er lässt sich auch außerhalb der Saison nur noch selten hier blicken. Und meistens bleibt er nur kurz.«
»Das wusste ich nicht«, hauchte ich, auch wenn mir einfiel, dass Izzy etwas Ähnliches angedeutet hatte.
»Durch eure Trennung hat Liam euch beide verloren. Wir alle.« In seiner Stimme schwang eine Traurigkeit mit, die wie eine Nadel in mein Herz stach.
»Es tut mir leid.«
»Das muss es nicht. Es sollte auch kein Vorwurf an dich sein. Ich hoffe, das ist nicht falsch rübergekommen.« Ein schuldbewusster Zug legte sich um seine Mundwinkel. »Wir vermissen euch einfach.«
Wieder schluckte ich gegen einen Kloß in meinem Hals an. »Ich vermisse euch auch.«
Wir umarmten uns, und ich wünschte Jack eine gute Nacht. Tränen stiegen in meinen Augen auf, als der Wagen zwischen den Bäumen verschwand und nichts als Stille zurückblieb. Ich steuerte auf die Holzbank auf der Veranda zu und nahm Platz. Ließ die Tränen laufen und stierte in den Nachthimmel, so voll von Sternen, dass er fast unwirklich aussah. Irgendwann schnitten Scheinwerfer durch die Dunkelheit, und ein Wagen hielt auf das Golden Leaf zu.
Oh nein, auch das noch, seufzte ich in mich hinein, als ich erkannte, dass es Ryans BMW war. Instinktiv rückte ich näher an die Hauswand, ins Halbdunkel der Veranda. Der Motor kam zum Verstummen. Eine Autotür öffnete und schloss sich. Schritte waren zu vernehmen. Ich senkte den Blick auf meine ineinander verschränkten Hände und hoffte, er würde mich nicht bemerken.
»Lena?«
Shit. Das Holz der Veranda knarrte unter seinen Schuhen, als er näher kam, die Hände in den Taschen seiner Jacke vergraben.
»Was machst du hier draußen?«
»Frische Luft schnappen.« Nur mit Mühe konnte ich verhindern, dass meine Stimme brach.
»Was ist los?«, fragte er alarmiert. Sein Atem erzeugte kleine Dampfwolken.
»Nichts«, presste ich hervor.
Für einen Moment schloss er die Augen, und als er sie wieder öffnete, lag Reue darin. »Hör zu.« Es klang wie ein Seufzen. »Wenn es wegen der Sache heute im Auto ist: Ich …«
»Es ist wegen Liam.«
Er blinzelte, als hätte er sich verhört. »Liam?«
»Ich war zum Abendessen bei deinem Bruder, und er war super abweisend zu mir.«
»Ach. Er ist ein Teenager. Wahrscheinlich hatte er einfach nur keinen Bock auf dich.«
Meine Lippen kräuselten sich zu einem schwachen Lächeln. »Ich glaube, er gibt mir die Schuld dafür«, sagte ich nachdenklich. »Dass du nur noch so selten hier bist.«
Ryan runzelte die Stirn. »Er weiß, dass das an meinem Job liegt.«
Ist das so?, fragte ich ihn nur mit meinen Augen. »Du bist auch außerhalb der Saison kaum noch in Green Valley.«
Er sagte nichts.
»Deine Wohnung hast du auch aufgegeben.«
Sein Schweigen hielt an. Es war mehr als offensichtlich, dass er nicht mit mir darüber reden wollte, und ich hatte nicht vor, mir die zweite Abfuhr abzuholen. Allerdings hatte ich auch kein Bedürfnis, länger mit ihm hier draußen zu sein, also machte ich Anstalten, mich zu erheben.
»Wie war’s sonst so? Das Abendessen bei Amy und Jack.«
Ich zögerte einen Moment und setzte mich wieder.
»Es war schön. Die Jungs sind so groß geworden. Liam vor allem.«
»Oh ja. Ich glaube, es dauert nicht mehr lange und er bringt die ersten Mädels mit nach Hause.«
»Verrückt, oder? Ich seh ihn immer noch mit dieser ulkigen Taucherbrille vor mir.«
»Da war er in seiner Minions Era.«
Wir schmunzelten beide.
»Und Noah. Er … sieht aus wie …«
»Jack«, sagte Ryan im selben Moment, in dem ich »Du« sagte. Unsere Blicke trafen sich, und für ein paar Sekunden vergaß ich alles. Dass wir gestritten hatten. Was er mir an den Kopf geworfen hatte.
»Wie war’s bei Grayson?«, fragte ich rasch.
»Wir waren im Olly’s. Mussten noch ein paar Aufgaben für Wills JGA verteilen.«
»Meinst du, ich sollte einen für Izzy organisieren? Wir haben nie darüber geredet, und ich weiß nicht, wie sie dazu steht«
»Sie würde sich bestimmt freuen.«
»Glaubst du?«
»Klar. Solange du sie nicht zwingst, ein Diadem aufzusetzen …«
Ich lachte. »Gott! Nein! Ich fürchte nur, ich bin ein bisschen spät dran«, bemerkte ich zerknirscht. »Irgendwie hatte ich das nicht auf dem Schirm.«
»Ich glaube nicht, dass Izzy einen Vegas-Trip von dir erwartet. So wie ich sie kenne, will sie einfach nur einen netten Abend mit ihren Mädels verbringen.«
»Ja, aber auch der muss geplant werden.«
»Warum fragst du nicht Fynn?«
»Fynn?«
»Vielleicht stellt er euch das Cozy Cup zur Verfügung.«
»Das Cozy Cup? Ist das nicht ein bisschen … lame? Für einen Junggesellinnenabschied, meine ich.«
»Kommt drauf an, was ihr draus macht.« Er zuckte mit den Schultern. »Hätte auch den Vorteil, dass niemand fahren muss.«
»Hm«, machte ich.
Schweigen senkte sich über die Veranda.
»Wie geht’s eigentlich deinem Knöchel?« Sein Blick zuckte zu meinen Schuhen.
»Gut.«
Er nickte. »Also steht morgen nichts im Weg?«
»Morgen?«
»Wir müssen den ganzen Krempel entsorgen, oder?«
»Ach so. Ja. Das ist kein Problem.«
»Wieder um dieselbe Zeit?«
Ich nickte.
»Okay«, sagte er schließlich. »Dann … geh ich jetzt mal ins Bett. War ein langer Tag.«
»Ja«, hauchte ich, machte selbst aber keine Anstalten aufzustehen.
»Gute Nacht, Lena.«
»Gute Nacht, Ryan.«
Ich sah ihm nach, als er auf die Tür zusteuerte. Er hatte sie schon fast erreicht, als er innehielt und sich umdrehte.
»Es war nicht meine Wohnung.«
Ich blinzelte verwirrt.
»Du hast gesagt, ich hätte meine Wohnung aufgegeben, aber es war nicht meine Wohnung.« Er ließ einen Moment verstreichen. »Es war unsere.« Dann drehte er sich um und verschwand durch die Tür.